30.07.2025
Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Caritas-Krankenhauskirche „Maria, Heil der Kranken“ wurden am vergangenen Sonntag die beiden verbliebenen Deutschordensschwestern, Sr. Maria-Regina Zohner und Sr. Maria-Luise Hitschfel, verabschiedet. Sie kehren in das Mutterhaus ihres Ordens nach Passau zurück. Damit endet nach mehr als 78 Jahren die Geschichte der Deutschordensschwestern am Caritas-Krankenhaus.
Die Kirche
„Maria, Heil der Kranken“ konnte die vielen Menschen nicht fassen, die sich zum
Abschiedsgottesdienst der beiden langjährigen Deutschordensschwestern
eingefunden hatten. Viele aktive und ehemalige Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, Patientinnen und Patienten, Mitglieder und Helferinnen des Caritas-Fördervereins
sowie Menschen aus der Stadt und der Kirchengemeinde wollten die Gelegenheit
nutzen, um Schwester Maria-Regina und Schwester Marie-Luise persönlich Lebewohl
zu sagen. Der feierliche Gottesdienst wurde von Weihbischof Thomas Maria Renz
zelebriert, unterstützt von Krankenhauspfarrer Hubert Klimek, dem Pfarrer der
Münstergemeinde St. Johannes Thomas Frey, dem langjährigen Pfarrer in Werbach
Hermann Konrad und Diakon Michael Raditsch.
Dank und Wehmut
Raditsch,
zugleich Direktor Unternehmenskultur im Caritas-Krankenhaus, setzte mit seiner
Begrüßung den Ton für diesen feierlichen aber auch wehmütigen Tag. „Abschied
nehmen, heißt sich auf den Weg machen“ rief er den beiden
Deutschordensschwestern zu. Und so war der Gottesdienst geprägt vom Dank für
das Wirken der Deutschordensschwestern über viele Jahre und der Trauer über das
Ende des Konvents.
Wir gehen Schwester
Maria-Regina griff in ihrer Ansprache den Text der Lesung aus Genesis 18 auf,
in dem Gott Abraham bei den Eichen von Mamre besucht. Der Text diente dem
Künstler Otto Habel als Vorlage für das Altarbild der Krankenhauskirche.
„Unsere Seele denkt in Bildern“, machte sie deutlich. „Und in diesem Bild aus
gebrochenen Steinen spiegelt sich die Zusage wider, die Gott uns gemacht hat.
Hier nimmt das Wort Gestalt an, wird Mensch, wird heruntergewunden und steigt
wieder auf.“ Sr. Maria Regina weiter: „Das Rot der Glut, des Feuers und der
Liebe umgibt die Menschen. Und die Dynamik des Lebens findet sich in den
wellenförmigen Linien des Tisches wieder. Die drei Personen am Tisch werden
gestärkt und gehen weiter. Damit sind wir gemeint. Lasst uns unterwegs sein
miteinander. Gott sagt zu uns: Geht! Es ist nicht leicht, aber es ist ein
Liebeswort Gottes, also gehen wir.“
Der katholische
Krankenhauspfarrer Hubert Klimek verband den Dank an die
Deutschordensschwestern mit den Fürbitten: „Die Deutschordensschwestern haben
das Caritas-Krankenhaus nach dem Krieg aufgebaut und zu einem Ort des Heilens
gemacht. Sie haben den Menschen hier über viele Jahrzehnte das Gesicht
barmherziger Liebe gezeigt. Lass das Wirken der Deutschordensschwestern in den
Herzen der Menschen weiter lebendig sein und lass auch heute wieder Menschen in
den Dienst für die Kranken treten“, so seine Bitte.
OB Glatthaar sendet "Grüße, die wehtun"
Als erster
Grußredner ergriff Oberbürgermeister Udo Glatthaar das Wort. Im Namen der Stadt
und des Gemeinderats überbringe er Sr. Maria-Regina und Sr. Marie-Luise die
hohe Wertschätzung der gesamten Stadt und sende zugleich „Grüße, die wehtun“.
„Die Deutschordensschwestern haben vielen Menschen, die hier arbeiten oder die
hier als Patienten Hilfe suchten, Kraft, Rat und Gelassenheit gegeben.“ Dank
der Ordensschwestern werde man beim Eintritt ins Caritas-Krankenhaus vom Geist
der Liebe und Gnade umfangen. „Wir brauchen diese geistliche und religiöse
Betreuung neben der medizinischen Behandlung“, so Glatthaar. „Deshalb ist es
gut, dass andere Orden im Haus bleiben.“ Er dankte den Deutschordensschwestern
für ihren Einsatz. „Herzlichen Dank für euer jahrzehntelanges segensreiches
Wirken, für die unglaubliche Arbeit, die Ihr hier geleistet habt. Wir werden
Euch ein gutes Andenken bewahren.“ Er griff das Motiv vom „Liebeswort Gottes“
auf: „Es ist ein Auftrag der göttlichen Liebe zu pilgern. Geht mit Gott, aber
schade, dass Ihr geht.“
Manuela Zahn: "Euer Licht hat im Caritas geleuchtet"
Mit emotionalen
Worten dankte Manuela Zahn im Namen des Vereins der Freunde und Förderer des
Caritas-Krankenhauses den Deutschordensschwestern für „Ihren unermüdlichen
Einsatz“. Eine zutiefst menschliche Zeit gehe nun unwiederbringlich zu Ende.
„Die Deutschordensschwestern haben Trost gespendet, Licht ins Dunkle gebracht,
Hoffnung gegeben. Euer Dienst war eine Berufung. Euer Licht hat in diesem
Krankenhaus geleuchtet.“ Sie würdigte
das Wirken von Schwester Maria-Regina, die seit 1992 den Konvent im Caritas-Krankenhaus
leitet und zuletzt als Vorsitzende des Fördervereins unermüdlich zum Wohle des
Caritas-Krankenhauses gewirkt habe. „Als Hildegard von Bingen 2.0 hast Du dein
wortgewandtes Wissen in allen Lebenslagen weitergegeben, dein fürsorglicher und
verantwortungsvoller Einsatz haben uns im Verein und damit vielen Patienten
geholfen“, betonte Manuela Zahn und verwies vor allem auf das Projekt
„Wunschmobil“, das schwerkranken Menschen letzte Wünsche erfüllt.
Sr. Marie Luise
würdigte sie als „OP-Schwester mit Leib und Seele“, die sich immer weitergebildet
habe als leitende OP-Schwester und in der Klinikseelsorge. „Ihre Arbeit war
immer Teil ihres Dienstes und dies seit gut 62 Jahren ununterbrochen im
Caritas-Krankenhaus.“ Manuela Zahn
dankte den Ordensschwestern für „eure Liebe, eure Geduld und eure unermüdliche
Hingabe“ und betonte: „Ihr verlasst uns nun, aber eure Wurzeln bleiben, ihr
werdet in unseren Herzen bleiben.“ Passend dazu wurde auf der Wiese vor dem
Eingang zur Kirche ein Ginkgobaum gepflanzt, der an das Wirken der
Deutschordensschwestern im Caritas-Krankenhaus erinnert.
Pfarrer Thomas
Frey überbrachte die Grüße der Münstergemeinde St. Johannes Baptist und
berichtete von den ersten Begegnungen mit Sr. Maria Regina. „Sie war etwas
ruppig und ich verstand nicht, was sie von mir wollte. Bis ich begriff: Sie
will mein Herz.“ Nun verabschiede sich die Gemeinde von den
Deutschordensschwestern mit zwei weinenden Augen „Wir werden Euch vermissen und
wünschen Euch Gottes reichen Segen.“
"Unsere Herzen und guten Wünsche
begleiten Euch"
Michael
Raditsch erinnerte in seiner Ansprache an den Beginn der
Deutschordensschwestern im Caritas-Krankenhaus und zitierte aus der Chronik der
Schwestern, die darin täglich handschriftlich Buch über ihr Leben in Bad
Mergentheim führten. „Im Morgengrauen am 8.1.1947 fahren die ersten zehn
Schwestern in Begleitung von Sr. Provinzoberin von Passau nach Bad Mergentheim
ab.“ Am Bahnhof wurden sie von einem Bruder der Barmherzigen Brüder Trier
abgeholt. Alle Deutschordensschwestern, die im Caritas-Krankenhaus seither
Dienst getan haben, sind in diesem Buch namentlich erwähnt. „Heute schließen
wir dieses Buch“, so Raditsch. „Aber euer Wirken wird in unseren Herzen und
eure Wurzeln werden hierbleiben.“ Raditsch erinnerte daran, dass viele
Deutschordensschwestern als Heimatvertriebene nach dem 2. Weltkrieg nach Passau
kamen. „Seine Heimat zu verlieren ist schwer, das haben viele von Euch erlebt.
Aber ihr wisst auch, was es heißt, eine neue Heimat zu finden. Das
Caritas-Krankenhaus wurde für viele Deutschordensschwestern zu einer neuen
Heimat“, so Raditsch. „Nun wird Euch, Sr. Maria-Regina und Sr. Marie-Luise, in
Passau eine neue Heimat bereitet.“ Im Namen des Direktoriums des
Caritas-Krankenhauses und der gesamten Mitarbeiterschaft dankte er den beiden
Schwestern für ihr Wirken: „Von Herzen unseren aufrichtigen Dank für alles, was
ihr hier über viele Jahre geleistet habt. Unsere Herzen und guten Wünsche
begleiten Euch. Gottes Segen auf Euren künftigen Wegen.“
Dank für den Dient an notleidenden Menschen
Weihbischof
Thomas Maria Renz schloss sich dem Dank und den Segenswünschen an. „Fast 80
Deutschordensschwestern haben hier im Caritas-Krankenhaus fast 80 Jahre lang
Dienst getan. Sie haben nie zuerst an sich gedacht, sondern immer zuerst an die
notleidenden Menschen.“ Für dieses segensreiche Wirken danke er auch im Namen
von Bischof Klaus Krämer und wünschte den Schwestern „alles Gute auf dem
weiteren Lebensweg.“ Weihbischof Renz: „Wir wollen Gott danken für das, was er
uns durch die Arbeit der Deutschordensschwestern in den letzten 80 Jahren
geschenkt hat.“ Eine Bereicherung sei es, dass Ordensfrauen aus anderen Ländern
nun diese Aufgabe fortführten.
Musikalisch
wurde der festliche Gottesdienst begleitet von Stefan Sambeth an der Orgel und
seiner Tochter Katharina mit der Querflöte; musikalisch bereichert wurde der
Gottesdienst außerdem durch Chefarzt Prof. Dr. Mathias Buttmann und seine
Kinder Felicia (16) und Clemens (13), die als Streichertrio zwei Kompositionen
für Violine und Violoncello vortrugen.
Im Anschluss an
den Gottesdienst geleitete eine Abordnung der Wallfahrtskapelle die beiden
Schwestern zum Empfang in die Cafeteria im Caritas-Krankenhaus. Dort hatten die
vielen Gäste die Gelegenheit, sich persönlich von den beiden Schwestern zu
verabschieden.