30.07.2024

Präventionsarbeit im Mutter-Kind-Zentrum

Niemals schütteln

Niemals schütteln

Im Rahmen einer bundesweiten Kampagne der Berliner Charité und mit einer Spende über 2.400 Euro von der Stadtgalerie Heilbronn erhält das Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim eine von 50 Schüttelpuppen zur Aufklärung und Prävention.

Schwerste Hirnverletzungen
„Ein Schütteltrauma ist eine Hirnverletzung. Sie wird verursacht durch heftiges, gewaltsames Schütteln von Säuglingen und Kleinkindern, die wegen der schwachen Nackenmuskulatur ihren Kopf noch nicht alleine halten können. So schleudert der Kopf des Babys oder Kindes beim Schütteln unkontrolliert hin und her und auch das Gehirn wird im Schädel hin- und hergeworfen. Dabei reißen Blutgefäße und Nervenbahnen. Die Hämatome im Gehirn drücken auf Hirnareale, die dauerhaft geschädigt werden. Das Kind erleidet irreparable Hirnschädigungen, die schwerste, lebenslange Behinderungen zur Folge haben. In zehn bis 30 Prozent der Fälle sterben Kinder, die mit einem Schütteltrauma ins Krankenhaus gebracht werden“, erklärt der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Caritas-Krankenhauses Bad Mergentheim Dr. Christian Willaschek.

Hohe Fallzahlen und hohe Dunkelziffer
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie werden jährlich 100 bis 200 Kinder durch Schütteln misshandelt, die Dunkelziffer sei deutlich höher. „Geständige Eltern geben als Hauptgrund für die Misshandlung ihres Kindes andauerndes Schreien an. Deshalb ist es so wichtig, werdende Eltern schon vor der Geburt über die fatalen Folgen des Schüttelns aufzuklären“, betont auch der leitende Oberarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Caritas-Krankenhaus Dr. Sönke Ebert. Durch seine Bemühungen hat das Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim nun eine von 50 Schüttelpuppen der Initiative #Schüttel-Mich-Nicht erhalten. Die Initiative wurde wegen der häufigen Misshandlungen bereits im Jahr 2022 von der Berliner Charité ins Leben gerufen und wird gesponsert durch das „German Council of Shopping Centers“ – am Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim übernimmt die Kosten für die Schüttelpuppe die Stadtgalerie Heilbronn.

Misshandlung ruft schwere Hirnschäden hervor
„Unsere Puppe hat Proportionen und Gewicht eines echten Babys. Der Schädel ist durchsichtig, sodass ein nachgebildetes Gehirn sehr gut sichtbar ist. Die verschiedenen Areale des Gehirns, wie das Sprachareal und die Gebiete, die für das Hören oder das Sehen oder das Atmen zuständig sind, sind jeweils gekennzeichnet“, erklärt Dr. Ebert. Schüttele man die Puppe, so leuchten die Areale, die beim echten Menschenbaby schwer verletzt würden, rot auf. Die Puppe kann auf Knopfdruck zum Schreien gebracht werden. „Oft ist anhaltendes Schreien eines Babys schwer auszuhalten. Aber eines muss jedem Erwachsenen mit Nachdruck klargemacht werden: Egal, wie lange das Baby schon schreit und egal wie dünn Ihr Nervenkostüm bereits ist: Sie dürfen Ihr Baby NIEMALS schütteln“, betont der Facharzt für spezielle Geburtshilfe und Perinatal Medizin sowie Geburtshilfe und Gynäkologie Dr. Ebert.

Eltern müssen sich rechtzeitig Hilfe suchen
„Wenn Sie als gestresste Aufsichtsperson niemanden in der Nähe haben, der sie kurzzeitig entlastet und das Kind beaufsichtigt, damit Sie sich beruhigen können, sollte das Kind in einer sicheren Umgebung abgelegt werden. Das gibt die Möglichkeit kurz die Türe zu schließen, um sich selbst zu beruhigen und dann wieder mit der nötigen Empathie und Selbstbeherrschung in einen liebevollen Umgang mit dem Kind zu gehen“, rät Chefarzt Dr. Willaschek. „Die von der Berliner Charité ausgerufene Aktion #Schüttel-Mich-Nicht ist besonders wichtig, weil die Dunkelziffer von Misshandlungsopfern im Säuglings- und Kindesalter durch Schütteln noch viel höher ist“, so Dr. Willaschek weiter. „Als Teil der #Schüttel-Mich-Nicht Initiative möchten wir einen aktiven Beitrag dazu leisten, Eltern und Angehörige über die fatalen Folgen einer solchen Misshandlung aufzuklären, die Prävention unterstützen und so hoffentlich Kinderleben retten“, bekräftigt der Center Manager der Stadtgalerie Heilbronn Tahir Yilmaz.

Großes Vorsorgeangebot in Bad Mergentheim
„Die Schüttelpuppe kommt nun in unserer Elternschule ‚Gesunde Familie‘ zum Einsatz“, erklärt Oberarzt Dr. Ebert. „Hier bietet das Team des Mutter-Kind-Zentrums des Caritas-Krankenhauses regelmäßig verschiedene Kurse wie Säuglingspflege, Fachvorträge zu Entwicklung und Ernährung, Rückbildung oder Kurse zur Ersten-Hilfe bei Kindern an. In einer Fortbildung zu ‚Präventivem Kinderschutz rund um die Geburt‘ wurden die Teams der Gynäkologie und Geburtshilfe und der Kinder- und Jugendmedizin zur Handhabung des Simulators geschult und für Gefährdungssituationen sensibilisiert. „Wenn die Eltern, die bildlich die Konsequenzen des wütenden Schüttelns vor Augen geführt bekommen, auch als Multiplikatoren für andere dienen, können wir durch die Aufklärung hoffentlich in Zukunft viele kleine Leben retten“, dankt der Chefarzt Dr. Christian Willaschek abschließend nochmals ausdrücklich für die Initiative der Charité Berlin und für die Spende der Stadtgalerie Heilbronn.

 
INFO: Die Babylotsin des Caritas-Krankenhauses Lina Krisciuniene ist unter der Tel. 0176-18980933 erreichbar und informiert junge Familien, die vielleicht mit der neuen Situation überfordert sind, über Unterstützungsangebote.