08.05.2023
Caritas im Dialog nach drei Jahren wieder in Präsenz
„Sigma-Darms Entfernung will wohl überlegt sein“
Der Leitende Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie des Caritas-Krankenhauses Bad Mergentheim Dr. Andreas Sauereßig informierte über Divertikulose
Divertikelbildung mit zunehmendem Alter
Divertikulose,
also Ausstülpungen der Darmschleimhaut, tritt mit zunehmendem Alter häufiger
auf. 50 bis 60 Prozent der über 70-Jährigen in Deutschland haben sogenannte
Divertikel im Darm. Die Divertikelbildung kann nicht vermieden werden, da sie
von Druck und angestautem Stuhlgang herrührt und mit der Stärke des
Bindegewebes zusammenhängen kann. Oft bleiben die Divertikel über Jahre
unbemerkt und machen keine Beschwerden. „Kommt es allerdings zu einer
Entzündung, können sie plötzliche, sehr starke und langanhaltende Schmerzen im
linken Unterbauch verursachen“, erklärte der Leitende Oberarzt und Facharzt für
Allgemeinchirurgie und spezielle Viszeralchirurgie Dr. Andreas Sauereßig bei
seinem öffentlichen Fachvortrag aus der Reihe „Caritas im Dialog“. Zum ersten
Mal nach drei Jahren der Corona-Beschränkungen fand die Veranstaltung wieder in
Präsenz in der Aula des Caritas-Krankenhauses statt.
Konservative Behandlung bei unkomplizierter Divertikulitis
„Die
Divertikulitis wird zum einen mit der Darmspiegelung diagnostiziert, die die
Innenansicht liefert, eine Computertomografie (CT) ermöglicht den Blick von
außen auch auf die wichtigen Strukturen in unmittelbarer Nähe des Darmes, wie
Blutgefäße oder Harnleiter“, erläuterte Dr. Sauereßig die Diagnostik. Liege
kein Notfall vor, sei der erste Weg immer die konservative Behandlung: „Eine unkomplizierte
Divertikulitis, auch wenn sie wiederkehrend auftritt, sollte generell zunächst
mit der Gabe eines Antibiotikums und Schmerzmitteln behandelt werden. Hat sich
die Entzündung beruhigt, ist es wichtig, leicht verdauliche Kost zu sich zu
nehmen und reichlich zu trinken“, bekräftigte der Chirurg. Dies sei auch die
beste Methode der Entzündung der Divertikel vorzubeugen. Selbst wiederkehrende
Beschwerden wie Schmerzen auch durch mögliche Verwachsungen einer
vorausgegangenen Unterleibs-Operation seien lediglich „weiche“ Indikationen für
eine Operation. „Im Notfall oder bei einer sogenannten „harten“
Operationsindikation entfernen wir etwa 30cm des Sigma-Darms. Zwar kann der
Mensch auf gewisse Teile des Darms gut verzichten, allerdings ist diese Operation
grundsätzlich ein Eingriff, der
naturgemäß bestimmten Risiken unterliegt“, betont der Oberarzt. „Das will wohl
überlegt sein. Anders verhält es sich allerdings, wenn akuter Handlungsbedarf
besteht, wie bei einer Stenose, also der dauerhaften Einengung der Darmpassage,
einer schweren Bauchfellentzündung, bei einem Darmdurchbruch, bei wiederholten
Blutungen im Stuhl, die zu Eisenmangel führen, oder dem Verdacht auf einen
zusätzlichen Tumor. Dann muss der Sigma-Darm, der nach dem absteigenden
Dickdarm beginnt und in den Enddarm übergeht, entfernt werden“, so Dr.
Sauereßig.
Bauchspiegelung oder Bauchschnitt
Er
erläuterte in seinem Vortrag die zwei gängigen Operationsmethoden: „Die
Bauchspiegelung mit hochmodernen Geräten wenden wir in der Regel dann an, wenn
der Patient oder die Patientin bisher keine Operation im Bereich des
Unterbauchs hatte, normalgewichtig ist und kein Notfall vorliegt.“ Andernfalls
werde der Sigma-Darm durch einen klassischen Bauchschnitt entfernt. Auch eine
Kombination der beiden Methoden sei möglich, bei der der Bauchschnitt
entsprechend kleiner ausfallen kann. In bestimmten, meist hochakuten Fällen
werde den Patienten und Patientinnen nach der Entfernung des vereiterten
Darmabschnittes zunächst ein vorderer Darmausgang angelegt. Dies dient der
unmittelbaren Sicherheit des Patienten. „Ob eine Rückverlegung des Ausgangs
dann sinnvoll ist, hängt von der sonstigen Verfassung des Patienten ab und kann
nur im individuellen Gespräch bestimmt werden“, erläuterte Dr. Sauereßig die
möglichen Nachwirkungen eines solchen Eingriffs. Er machte aber auch Hoffnung:
„Zwar kann man die Bildung von Divertikeln nicht verhindern, allerdings kann
man der Divertikulitis vorbeugen durch gesunde, ballaststoffreiche Ernährung
und reichlich Flüssigkeitszufuhr sowie ausdauernde Bewegung und Sport.“
Dr. Andreas Sauereßig ist seit 2007 als Chirurg am Caritas-Krankenhaus tätig, zunächst als Oberarzt, seit 2013 als Leitender Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. Außerdem ist er Fachexperte der Deutschen Krebsgesellschaft und überwacht in diesen Funktionen die Arbeitsabläufe und Ergebnisse in Krebszentren anderer Kliniken.
Am Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim informiert an jedem ersten Donnerstag des Monats um 18:00 Uhr ein Arzt oder eine Ärztin interessierte Laien zu jeweils verschiedenen medizinischen Themen. Mehr Informationen unter www.ckbm.de


