07.07.2022
10 Jahre Allgemeinpsychiatrische Tagesklinik
Mit einem Festakt und einer Ärztefortbildung zum Thema „Kreative Lösungen von psychischen Konflikten und Krisen“ hat die Allgemeinpsychiatrische Tagesklinik für Erwachsene des Krankenhauses Tauberbischofsheim ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert.
Erfolgsgeschichte psychiatrische Behandlung in Tauberbischofhseim
„Die Eröffnung am 2. Juli 2012 war der Beginn einer Erfolgsgeschichte“, berichtete der Chefarzt der Abteilung Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Krankenhauses Tauberbischofsheim und Ärztlicher Direktor Dr. Mathias Jähnel: „Kurz darauf, im Jahr 2015, konnten wir bereits eine Außenstelle von Tagesklinik mit psychiatrischer Institutsambulanz (PIA) am Caritas-Krankenhaus eröffnen und im Jahr 2016 kam mit der psychosomatischen Tagesklinik am Standort in Tauberbischofsheim ein weiteres teilstationäres Therapieangebot hinzu. Mit diesen Erweiterungen konnten wir nun eine gestufte Behandlung mit stationären, teilstationären und ambulanten Therapiemöglichkeiten für die Gesamtbevölkerung des Main-Tauber-Kreises etablieren." Die enorm
wichtige Arbeit, die das gesamte Team der Ärzte und Ärztinnen, Therapeuten und
Therapeutinnen sowie der Pflegenden leiste, zahle sich ebenso aus wie die gute
Arbeit und gezielte Fortbildung von
Hausärzten, die meist erster Ansprechpartner bei persönlichen Problemen oder
Depressionen seien. Der Regionalleiter der BBT-Gruppe Thomas Wigant dankte Dr.
Mathias Jähnel und seinen Mitarbeitenden für den kontinuierlichen Einsatz:
„Dass wir heute feiern können, ist Ihrer Hände Werk!“ Das Erfolgsrezept der gesamten
Abteilung sei Kreativität, ein ausgezeichnetes Netzwerk sowie die hervorragende
Vernetzung zwischen den Berufsgruppen, zwischen stationär und ambulant tätigen
Mitarbeitenden, so Wigant weiter. Die Geschichte
dieses Erfolges habe im Oktober 1979 mit der Gründung der Abteilung für
Psychiatrie am Kreiskrankenhaus Tauberbischofsheim mit 80 Betten als
Auslagerung des Landeskrankenhauses in Weinsberg begonnen, berichtete Dr.
Jähnel weiter. Dem hohen Bedarf entsprechend und mit einem ausgezeichneten und
zukunftsweisenden Gespür für die medizinischen Bedürfnisse sei das Angebot
stetig weiter ausgebaut worden bis zum heutigen Stand mit 105 stationären Betten,
44 Tagesklinik-Plätzen für Erwachsene an den zwei Standorten Krankenhaus
Tauberbischofsheim und Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim, zehn durch die
Johannes-Diakonie Mosbach betriebenen Tagesklinikplätzen für Kinder und
Jugendliche in den Räumlichkeiten des Krankenhauses Tauberbischofsheim sowie
sechs Plätzen für psychosomatische Medizin.

(v.l.)
Kreisärzteschaftvorsitzender Sebastian Gerstenkorn, Ärztlicher Direktor des
Krankenhauses Tauberbischofsheim Dr. Mathias Jähnel, Prof. Dr. Rainer
Holm-Hadulla und Regionalleiter Thomas Wigant beim Festakt zum zehnjährigen
Jubiläum der Allgemeinpsychiatrischen Tagesklinik Tauberbischofsheim.
Hervorragende Zusammenarbeit garantiert Qualität
Auch Elisabeth Krug, Dezernentin für Jugend, Soziales und Gesundheit des Main-Tauber-Kreises betonte im Namen des Landkreises in ihren Jubiläumswünschen, dass die Eröffnung der Allgemeinpsychiatrischen Tagesklinik vor zehn Jahren ein zukunftsweisendes Ereignis gewesen sei. „Neben den kirchlichen und den freigemeinnützigen Trägern ist die Landkreisverwaltung selbst ebenfalls ein Akteur im Gemeindepsychiatrischen Verbund zusammen mit dem Krankenhaus Tauberbischofsheim. Die Zusammenarbeit mit der Psychiatrie, den Tageskliniken und den PIAs erfolgt jederzeit sehr gut und vertrauensvoll. Dafür will ich Ihnen allen von Herzen danke sagen und unsere hohe fachliche wie auch persönliche Wertschätzung zum Ausdruck bringen“, betonte Krug. Der Main-Tauber-Kreis sei sehr dankbar für die wohnortnahe Versorgung, die unbedingt notwendig und nicht mehr wegzudenken sei. Außerordentlich wichtig sei neben der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen außerdem das Zusammenspiel innerhalb der beiden BBT-Partnerkrankenhäuser in Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim: „Wir arbeiten an einer zunehmenden Vernetzung mit der Somatik beispielsweise durch die für die Patienten enorm wichtige und hilfreiche Mitbetreuung der Geriatrie, der konservativen Orthopädie oder der Psychoonkologie“, erläuterte Dr. Jähnel die hervorragende Zusammenarbeit der verschiedenen Fachabteilungen. Diese hob auch der Ärztliche Direktor des Caritas-Krankenhauses Dr. Ulrich Schlembach in seinen Glückwünschen zum Jubiläum hervor: „Der Erfolg liegt in der vertrauensvollen Zusammenarbeit, im hohen Engagement und dem persönlichen Einsatz der Beteiligten. Zum Wohle der Menschen sind wir so in der Lage Projekte umzusetzen und neue sinnvolle Versorgungsformen zu etablieren“, erklärte Dr. Schlembach. Der Bedarf der professionellen Betreuung, insbesondere unter psychischen Belastungsstörungen, sei nach Erkenntnissen von Beginn des Jahres 2022 riesig: Jährlich seien knapp 18 Millionen Menschen in Deutschland von psychischen Erkrankungen betroffen, 3,6 Million davon suchten sich professionelle Hilfe. „Viele Patient*innen kommen oft nicht nur mit körperlichem Leiden, sondern bringen auch ein seelisches Leiden mit. Da ist es ein ausgesprochen gutes Gefühl zu wissen, dass wir in den Kolleginnen und Kollegen aus Tauberbischofsheim kompetente Partner haben, auf deren psychiatrisch-psychosomatische Expertise wir zurückgreifen können“, dankte Dr. Schlembach im Namen aller Ärztinnen und Ärzte des Caritas-Krankenhauses Bad Mergentheim. Einen besonderen Dank für die hervorragende Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten wie auch die herzlichsten Glückwünsche überbrachte ebenfalls der Vorsitzende der Kreisärzteschaft Sebastian Gerstenkorn.
Gesundheitswesen muss reformiert werden
Neben den vielen Glückwünschen und dem Lob gab es von allen Rednern aber auch Kritik an den Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen – Überregulierung, Reglementierung, Bürokratisierung und zuletzt ein hoher Personalausfall durch die Coronapandemie erschwere die tägliche Arbeit und Versorgung der Patient*innen zunehmend.
Kreativität kann psychische Konflikte lösen
Der feierliche Rahmen diente auch einer fachlichen Weiterbildung. Der Direktor des Heidelberger Instituts für Coaching und Professor für Psychotherapeutische Medizin an der Universität Heidelberg Prof. Dr. Rainer Holm-Hadulla führte in seinem Vortrag zu „Kreativen Lösungen von psychischen Konflikten und Krisen“ aus, wie traumatische Erlebnisse aber auch ein Mangel an existenziellen Begegnungen, an Kohärenz, Anerkennung, Kommunikation und Verstanden werden zu psychischen Erkrankungen führen kann. Außerdem erklärte er, wie erlittene Traumata, negative Gefühle und schlechte Erfahrungen, aber auch beispielsweise Stress durch Kreativität transformiert werden können. „Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sehe ich einen deutlichen Zusammenhang von psychischen Störungen durch fehlende Rituale. Verbindliche, kohärente Rituale geben Denkräume, in denen wir fantasieren können, um lebendig zu bleiben. Rituale wie der sonntägliche Kirchgang, ein gemeinsames Essen mit tiefgründigen Gesprächen, der Theaterbesuch oder die Wissenschaft sind Möglichkeiten aus der horizontalen Welt und der alltäglichen Beschäftigung herauszugehen und anders zu denken“, erklärte Prof. Dr. Holm-Hadulla mit kritischem Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen.

Chefarzt und
Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Tauberbischofsheim Dr. Mathias Jähnel
empfing über 100 Teilnehmer zum zehnjährigen Jubiläum der Allgemeinpsychiatrischen
Tagesklinik im großen Rathaussaal der Stadt Tauberbischofsheim.


