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17.04.2020

Dringend notwendige Behandlungen nicht verschieben

Dringend notwendige Behandlungen nicht verschieben

Die Ärzte im Caritas-Krankenhaus warnen davor, medizinisch dringend erforderliche Therapien zu verschieben oder Notfallsymptome nicht ernst zu nehmen. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie können solche Patienten im Caritas hygienisch sicher behandelt werden.

Im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim werden zurzeit knapp 30 COVID-19-Patienten behandelt, vier davon beatmet auf der Intensivstation. Dazu kommen etwas mehr als 20 Patienten in Quarantäne und mit Verdacht auf eine SARS-CoV-2 Infektion. "Im Caritas-Krankenhaus haben wir durch unser konsequentes Vorgehen die COVID-Erkrankten in einem separaten Bettenhaus getrennt von den nicht-infektiösen Patienten untergebracht. Daher sind wir für alle dringend erforderlichen Notfallbehandlungen nach wie vor aufnahmebereit und können die Patienten gut und hygienisch sicher versorgen", betont Dr. Ulrich Schlembach, Ärztlicher Direktor und hygieneverantwortlicher Arzt.

Corona-Patienten streng getrennt untergebracht
Er warnt in diesem Zusammenhang davor, medizinisch dringend notwendige Therapien aufzuschieben oder Notfallsymptome nicht ernst zu nehmen. "Viele Menschen sind verunsichert und fürchten vielleicht, sich bei einem Krankenhausaufenthalt mit dem Corona-Virus zu infizieren. Angesichts der strengen Hygienemaßnahmen im Caritas-Krankenhaus ist dieses Risiko äußert gering und steht in keinem Verhältnis zu dem hohen Risiko, etwa an einem Herzinfarkt zu versterben", unterstreicht Dr. Schlembach. "Zugleich gibt es Erkrankungen, die unbehandelt zu schweren Komplikationen führen können. Gewisse Vorboten und Symptome nicht zu beachten, kann dann lebensbedrohlich werden."

Warnsignale bei Schlaganfall ernst nehmen
Als Beispiel nennt sein Kollege Privatdozent Dr. Mathias Buttmann die sog. "TIA". "Häufig gehen einem Schlaganfall Warnsignale in Form von kurzfristigen Sehstörungen, halbseitigem Taubheitsgefühl, oder halbseitigen Lähmungen voraus - Zeichen einer sog. TIA. Typisch ist hier z.B. der hängende Mundwinkel", erläutert der Chefarzt der Klinik für Neurologie. "Auch eine verwaschene Sprache oder Sprachstörungen können vorkommen. Diese Symptome halten ca. 10 bis 30 Minuten an und verschwinden dann wieder." Die Gefahr, so PD Dr. Buttmann: "Etwa jeder 10. Patient erleidet nach einer solchen Attacke innerhalb der nächsten Woche einen großen Schlaganfall." Eine rechtzeitige fachneurologische Versorgung im Krankenhaus könne dies verhindern. "Wenn jetzt Patienten aus Furcht vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus solche Symptome verdrängen und den Krankenhausaufenthalt vermeiden, kann dies zu ernsten Folgen und vermeidbaren Schlaganfällen führen", mahnt Buttmann. Auch bei einem echten Schlaganfall sollte man sofort die Notraufnummer 112 anrufen und nicht zögern. "Jeder Zeitverlust führt zu neurologischen Schäden und kann Langzeitfolgen wie Lähmungen und Pflegebedürftigkeit zur Folge haben."

Bei Verdacht auf Herzinfarkt Notruf 112 wählen
Ähnlich äußert sich auch Privatdozent Dr. Mathias Borst, Chefarzt der Medizinischen Klinik 1 im Caritas-Krankenhaus. "Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt bitte auch in Corona-Zeiten sofort den Notruf 112 wählen", macht der Kardiologe (Facharzt für Herzerkrankungen) deutlich. Typische Symptome sind z.B. ein Engegefühl in der Brust, starke Schmerzen hinter dem Brustbein, die in den Rücken, den Oberbauch, die Arme, oder den Schulterbereich ausstrahlen können, eventuell Atemnot und Kaltschweißigkeit. "Wenn diese Anzeichen auftauchen, sollten die Betroffenen das unbedingt ernst nehmen und im Zweifel den Notarzt rufen." Dies gelte auch bei schweren Herzrhythmusstörungen. PD Dr. Borst: "Das sind keine beliebig aufschiebbaren Erkrankungen, sondern dringend behandlungsbedürftige Notfälle, sonst droht Lebensgefahr."

Krebstherapie nicht abbrechen oder verschieben
Ähnlich hoch ist die Gefahr für Tumorpatienten, die angesichts von Corona anstehende Behandlungen bis nach der Pandemie verschieben oder begonnene Krebstherapien nicht fortführen wollen. "Ich weiß, dass sich viele Krebspatienten große Sorgen machen und eine Infektion mit dem Corona-Virus fürchten. Daher müssen wir in jedem Einzelfall das Vorgehen gut abwägen", betont Dr. Edgar Hartung, Leiter des Onkologischen Zentrums Tauberfranken im Caritas-Krankenhaus. "Ohne eine Behandlung wachsen Tumoren jedoch einfach weiter, und es besteht die Gefahr, dass sie sich ausdehnen und Metastasen bilden und dann nicht mehr operabel sind." Daher appelliert er an alle Tumorpatienten, die Therapie nicht einfach abzubrechen, sondern dringend den Kontakt mit dem behandelnden Arzt aufzunehmen.

 
 

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