06.04.2018
„Nehmen Sie Ihre Gesundheit selbst in die Hand“
Krebs steht für zahlreiche ganz unterschiedliche Krankheiten und ist damit nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen zum häufigsten Leiden unserer Zeit geworden. Erfreulich ist allerdings, dass die Sterberate in den vergangenen Jahren dank umfassender Prävention, Krebsfrüherkennung und einer effektiven Therapie deutlich abgenommen hat. Denn: wird Krebs in einem frühen Stadium entdeckt, kann er oft erfolgreich bekämpft oder zumindest langfristig eingedämmt werden. Beim 9. Patiententag „Leben mit Krebs“ informierten die Ärzte im Caritas-Krankenhaus über Vorsorge, Früherkennung und Krebstherapie.
"Heutzutage
stellt sich ein Mensch immer mehr die Frage nach einem krebs- bzw. insgesamt
krankheitsvermeidenden Lebensstil. Regelmäßige Selbstuntersuchungen, Bewegung,
gesunde Ernährung und verantwortungsvoller Umgang mit Genussmitteln sind zwar
leider keine Garantie für ein krebsfreies Leben, aber eine große Hilfe für den
eigenen Körper, fit und leistungsfähig zu bleiben", betonte Dr. Edgar Hartung, Leiter
des Onkologischen Zentrums Tauberfranken (OZT), bei der Begrüßung der rund 150
Besucher im Caritas-Krankenhaus.
"Vorsorgen
heißt, etwas für sich und seinen Körper zu tun, bevor etwas passiert.
Regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust wichtig
Früherkennung
hingegen bedeutet, die bereits ausgebrochene Krebserkrankung so früh wie
möglich zu erkennen, zu behandeln und so im besten Fall einen
lebensbedrohlichen Schaden abzuwenden", nahm Dr. Ulrich Schlembach, Leiter des
Brustzentrums Tauberfranken im Caritas, das Thema in seinem Vortrag auf. Gerade
in einer Zeit, in der wir immer wieder schädlichen Einflüssen der Umgebung,
chemischen Krebsauslösern, Lebensmittelzusätzen, Tabakrauch und Viren ausgesetzt
seien, müsse man gut auf sich achten. "Doch nur knapp 60 % der Frauen untersuchen
sich zur Prävention regelmäßig selbst", mahnte der Chefarzt. "Die jeweilige
Frau kennt ihren Körper am besten und spürt, wenn sich etwas verändert hat. Sie
kann also schneller reagieren und im Zweifel einen Arzt aufsuchen." Er
appellierte zugleich an die Frauen, die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim
Frauenarzt wahrzunehmen. Untersuchungen wie die
Mammographie und Ultraschall an den weiblichen Geschlechtsorganen seien
wichtige Ergänzungen zur Selbstuntersuchung Dr. Schlembachs Empfehlung: "Nehmen
Sie Ihre Gesundheit selbst in die Hand. Leben Sie bewusst, bewegen Sie sich, achten
Sie auf die Signale, die Ihnen Ihr Körper sendet und gehen Sie regelmäßig zu
ihrem Frauenarzt, nicht erst , wenn Sie Veränderungen bemerken."
Früherkennung bei Prostatakrebs durch PSA-Test möglich
Der
Leiter des Prostata-Zentrums am Caritas PD Dr Bernd Straub berichtete über Präventionsmaßnahmen
und Risikofaktoren für Prostatakrebserkrankungen bei Männern. "Das größte
Problem für uns als Ärzte ist der aggressive Prostatakrebs, der auch als
"Raubtierkrebs" bezeichnet wird." Er liege wie ein Raubtier lange ohne Symptome
auf der Lauer und sei daher in den Anfangsstadien nicht von dem in der
Schulmedizin verharmlosend als "Haustierkrebs" bezeichneten Prostatakrebs (etwa
90 %) zu unterscheiden, so PD Dr. Straub. Daher sei das Mittel der Wahl bei Patienten
mit örtlich begrenztem Prostatakrebs grundsätzlich eine Operation. Zentral
wichtig sei - wie auch bei gynäkologischen Krebserkrankungen - eine frühzeitige
Diagnose. Daher riet PD Dr. Straub zur bisher einzigen Früherkennungsuntersuchung
auf Prostatakrebs, dem PSA-Test. Damit werde die Menge an
"Prostata-spezifischem Antigen" (PSA) im Blut bestimmt. "Der Wert ist erhöht,
wenn sich die Prostata verändert oder das Gewebe gereizt wird. Daher kann ein
erhöhter PSA-Wert auf Prostatakrebs hinweisen", erklärte der Chefarzt. Zur
weiteren Abklärung werde dann in der Regel eine Gewebeprobe aus der Prostata
entnommen.
Operation bei Lungenmetastasen
Was
man therapeutisch unternehmen kann, wenn ein Krebs bereits Tochtergeschwülste gebildet
hat, darüber referierte Dr. Oleg Kuhtin, Facharzt für Viszeral- und
Thoraxchirurgie am Caritas, in seinem reich bebilderten Vortrag. "Krebszellen
neigen dazu, in umliegende Gewebe zu wachsen und sich über Blut- und
Lymphgefäße in andere Körperregionen auszubreiten. Gerade Hoden-, Darm- und Brustkrebs
zeigen eine besondere Tendenz, Metastasen in der Lunge zu bilden. Doch viele
Arten und Größen dieser Tochtergeschwülste sind sehr gut mittels Operation und
anschließender Bestrahlung zu behandeln ", erklärte Dr. Kuhtin.
"Grünzeug" schützt vor schädlichen Umwelteinflüssen
Die
Rolle einer gesunden, ausgewogenen Ernährung zur Krebsvorsorge bzw. während Therapie
und Reha stellte Dr. Claudia Löffler, Fachärztin für Innere Medizin am
Comprehensive Cancer Center CCC der Uni Würzburg unter dem Titel . "Was
Grünzeug alles kann" vor. Ernährung müsse immer gleichermaßen "Alltag, Freude,
Genuss und Therapie" sein. "So ziemlich keiner wird je die perfekte Ernährung
schaffen, schon gar nicht unter Druck, wie ihn eine Krebserkrankung mit sich
bringt. Daher sollte man sich nicht ärgern, wenn man doch mal über die Stränge
schlägt oder nicht seine fünf Stücke Obst bzw. Gemüse am Tag schafft, sondern
es am kommenden Tag einfach nochmal probieren." Da Obst und Gemüse nicht nur
Vitamin C enthalte, sondern mit Farb- und Aromastoffen auch wichtige sekundäre
Pflanzenstoffe liefere, sei "Grünzeug für den Schutz vor schädlichen
Umwelteinflüssen besonders wichtig", so die Expertin. "Möglichst bunt essen,
lautet die Devise."
Praktische Tipps für den Alltag
Praktische
Anregungen und Tipps zum Thema Achtsamkeit gab es schließlich von Ute Michelbach,
Leiterin der Stationären Physiotherapie im Caritas-Krankenhaus. Sie zeigte konkrete
Übungen, wie sich speziell Krebspatienten der eigenen Abläufe im Körper mit
gezielter Atmung bewusst werden können
Viele
Besucher nutzten neben den Fachvorträgen die Möglichkeit, an den Info-Ständen
mit den Referenten direkt ins Gespräch zu kommen. Die zertifizierte MammaCare-Trainerin
Regina Almandinger gab am Modell Tipps zur Früherkennung von Brustkrebs,
Stoma-Pflegerin Patricia Günther informierte über einen lebenswerten Alltag trotz
künstlichem Darmausgang. Zahlreiche Selbsthilfegruppen und Pharma-Firmen lieferten
außerdem Informationen rund um das Thema Krebserkrankungen.


