07.03.2017

Patiententag: Nebenwirkungen bei Krebs behandeln

Patiententag: Nebenwirkungen bei Krebs behandeln

Beim Patiententag „Leben mit Krebs“ am 11. März im Caritas-Krankenhaus zeigten die Referenten den rund 250 Besuchern zahlreiche Möglichkeiten auf, die Nebenwirkungen von Tumortherapien zu mindern. Vor allem die sog. „komplementären“, die Schulmedizin ergänzenden Methoden standen dabei im Mittelpunkt.

"Krebstherapie ist noch immer ein Kraftakt für jeden Patienten und wir müssen gemeinsam alle Ressourcen aufbringen, um die Nebenwirkungen einzudämmen", unterstrich Dr. Edgar Hartung, Leiter des Onkologischen Zentrums Tauberfranken OZT am Caritas-Krankenhaus.  Dabei müsse man sich auch komplementäre Behandlungsansätze stärker zunutze machen, sofern deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist.
Einen Überblick über die häufigsten Nebenwirkungen unter anderem bei der Behandlung von Brustkrebs gab Dr. Katja Roth, Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Caritas-Krankenhaus. Bekannteste Folge einer Chemotherapie sei häufig der Haarausfall. "Dieses äußerliche Zeichen stigmatisiert die Betroffene als krebskranke Person und ist deshalb besonders einschneidend", erläuterte die Fachärztin. Langfristig schwerwiegender für die Betroffenen seien allerdings Nebenwirkungen wie Herz- und Nervenschäden sowie Beeinträchtigungen des Blutsystems u.a. mit einer höheren Infektanfälligkeit. "Bei vielen Nebenwirkungen kann gezieltes Bewegungstraining mit Ausdauersport Abhilfe schaffen", so Dr. Roth. "Wir sprechen inzwischen sogar vom "Medikament" Bewegung."
Speziell auf das Thema Fatigue, einer anhaltenden bleiernen Müdigkeit als Folge der Krebserkrankung und der Krebstherapie, ging Dr. Claudia Löffler ein, Fachärztin für Innere Medizin und Hämatologie-Onkologie an der Universität Würzburg. Mehr als 70 % der an Krebs erkrankten Patienten nutzen nach ihrer Darstellung auch Naturheilverfahren. "Leider ist es dabei vor allem im Internet schwierig, gute Informationen von schlechten Informationen zu unterscheiden." Seit 2015 gebe es erste medizinische Leitlinien zum Einsatz komplementärer Therapien und auch immer mehr Studien, die die Wirksamkeit solcher Methoden belegen. "Wichtigstes Kriterium ist zum einen der zu erwartende Nutzen und vor allem darf die Methode dem Patienten nicht schaden", so Dr. Löffler. Einer der am besten untersuchten pflanzlichen Wirkstoffe sei etwa die Misteltherapie. "Sie verbessert das Immunsystem und hilft u.a. bei Fatigue und Übelkeit und hat eventuell auch einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf", so Dr. Löffler. Nicht angewendet werden dürfe sie allerdings bei hämato-onkologischen Erkrankungen wie Blutkrebs oder Lymphdrüsenkrebs und bei Hirntumoren.
Gute Belege für die positive Wirkung bei Fatigue gibt es auch für  Vitamin D, das überwiegend in der Haut in Verbindung mit der Sonneneinstrahlung produziert wird. "Lassen Sie ihren Serumspiegel beim Arzt testen. Bei niedrigen Werten können Sie Vitamin D mit Nahrungsergänzungsmitteln ersetzen", empfiehlt die Ärztin. Ähnlich positiv wirkten Omega 3 Fettsäuren. Auch die Hydrotherapie mit wechselwarmen und kalten Güssen (Stichwort: Kneipp) sei bei Fatigue empfehlenswert. Wichtige Therapiemöglichkeiten mit nachgewiesenem Effekt bei Fatigue seien außerdem Entspannungstherapie wie z.B. Yoga und Bewegungstherapie. "Dabei ist es gut, so früh wie möglich mit dem Training zu beginnen." Empfehlenswert seien 2- bis 3-mal pro Woche 30 Minuten Ausdauersport wie Nordic Walking, Laufen oder Schwimmen, kombiniert mit ein- bis zweimal Gymnastik. "Setzen Sie sich aber nicht unter Druck jede Einheit zählt und zehn Minuten täglich sind besser als gar keine Bewegung", so Dr. Löffler. Sie verwies darauf, bei allen Methoden den behandelnden Arzt mit einzubeziehen, um negative Wechselwirkungen zu vermeiden.
Neben der Fatigue als Folge einer Chemotherapie, müssen sich Darmkrebspatienten mitunter auch mit den Folgen der operativen Therapie auseinandersetzen. "Zum Schutz der Naht bei Enddarmoperationen legen wir oft einen künstlicher Darmausgang am Dünndarm an", erläuterte Dr. Michael Bach, Oberarzt in derKlinik für Allgemein-, Viszeral-und Gefäßchirurgie am Caritas, die Operation. "Wenn die Naht gut verheilt ist, können wir dieses sog. Stoma nach wenigen Wochen wieder zurückverlegen, so dass die natürliche Darmentleerung wiederhergestellt wird." Bei einer Rückverlagerung könne man außerdem die Gefahr von Hernien (Bauchwandbrüchen) bei den Patienten vermeiden. Bei sehr umfangreichen Darm- und Mastdarmoperationen, bei denen auch der Schließmuskel betroffen ist, sei eine Rückverlagerung des Stomas jedoch meist nicht mehr möglich. In jedem Einzelfall müsse geprüft werden, ob der Allgemeinzustand des Patienten eine weitere Operation zulasse.
Der Leiter des Prostatazentrums am Caritas-Krankenhaus PD Dr. Bernd Straub, erläuterte außerdem die verschiedenen Ansätze, um eine eventuelle Inkontinenz nach Prostata-Operationen zu behandeln. Viele Besucher nutzten außerdem die Möglichkeit mit den Referenten ins Gespräch zu kommen oder Übungen im Kurs "Sport bei Krebs" mit  Übungsleiterin Birgit Adonyi auszuprobieren. Zur Früherkennung von Brustkrebs gab die zertifizierte MammaCare-Trainerin Regina Almandinger viele Tipps. Zahlreiche Selbsthilfegruppen boten an ihren Ständen Informationen rund um das Thema Krebs an.
Info:
Sport bei Krebs: Montag, 11:00 bis 12:00 Uhr und Mittwoch 16:30 bis 17:30 Uhr im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim, Tel. 07931-58-3530
Sprechstunde für Komplementäre Onkologie CCC Universitätsklinikum Würzburg, Information und Anmeldung, Tel. 0931-201-70970