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26.01.2017

Hilfe bei Gelenkschmerzen

Rund 500 Besucher informierten sich am Samstag, 11. Februar beim Patiententag „Hilfe bei Gelenkschmerz“ im Caritas-Krankenhaus über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten bei Gelenkschmerzen an Hüfte, Knie, der Wirbelsäule und den Händen. Viele nutzten in den Pausen die Gelegenheit zum Gespräch mit Ärzten und Therapeuten.

Hilfe bei Gelenkschmerzen

Die Menschen in Deutschland werden erfreulicherweise immer älter, aber damit wächst auch das Risiko für die sog. Arthrose, den Verschleiß des Knorpels in den Gelenken. Schmerzen in Knie, Hüfte, den Beinen oder der Hand sind die Folge. „Im Gegensatz zur Haut oder den Haaren erneuert sich der Knorpel in unseren Gelenken leider nicht, er muss für das ganze Leben reichen“, machte Prof. Dr. Christoph Eingartner, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Caritas-Krankenhaus, in seinem einleitenden Vortrag deutlich. „Aufgebrauchter Knorpel lässt sich auch nicht zurückholen, nicht durch eine spezielle Diät, nicht durch spezielle Nahrungsergänzungsmittel.“ Wichtig sei es deshalb z.B. Übergewicht abzubauen, um die Gelenke zu entlasten. Auch Bewegungstraining, Physiotherapie oder Orthesen könnten zur Entlastung beitragen, Tabletten oder Spritzen vorübergehend den Schmerz nehmen und so eine Operation hinauszögern. „Die Frage, ob und wann eine Operation und der Einsatz eines künstlichen Gelenkes angebracht sind, entscheidet jeder Patient selbst – nämlich immer dann, wenn die Lebensqualität so stark eingeschränkt ist, dass man es nicht mehr aushält“, betonte der Chefarzt. „Also auf gut Deutsch: wenn der Patient die Schnauze voll hat von den Schmerzen und Einschränkungen.“

Der erfahrene Orthopäde und Unfallchirurg stellte den Ablauf einer OP im Caritas-Krankenhaus vor und zeigte auch die Maßnahmen auf, um Infekte möglichst zu verhindern. Er verwies außerdem auf die strengen Auflagen, die ein zertifiziertes „Endoprothetikzentrum“ wie das Caritas-Krankenhaus erfüllen muss. „Damit stellen wir sicher, dass ein gutes Ergebnis nicht vom Zufall abhängig ist, sondern bei jedem Patienten ein fest definierter Behandlungsprozess abläuft, welche Schritte in welcher Reihenfolge bei jedem Einzelnen erfolgen“, so Prof. Dr. Eingartner. Die Sicherheit des Patienten stehe dabei an erster Stelle. 

Was kann ich und was darf ich mit einem künstlichen Gelenk im Alltag tun? Diese häufig gestellte Frage beantwortete Oberarzt Dr. Dirk Herold, einer der Hauptoperateure im Endoprothetikzentrum im Caritas-Krankenhaus, in seinem Vortrag. „Schon ab dem ersten Tag nach der OP können die Patienten die operierte Seite wieder voll belasten; in den ersten drei Monaten nach der OP sollten sie allerdings eine tiefe Hocke vermeiden.“ Als Hilfsmittel gebe es daher erhöhte Toilettensitze und spezielle Sitzkissen. Nach den ersten drei Monaten gebe es im Alltag praktisch keine Einschränkungen mehr, Gartenarbeit, Saunabesuche und sportliche Betätigung seien möglich. „Sport mit einem künstlichen Gelenk ist sogar sinnvoll“, machte er klar, denn Sport habe viele positive Effekte für die Fitness, Gewichtskontrolle, aber auch für die Gangsicherheit und den Schutz vor Stürzen. „Ungünstig sind allerdings Kontakt- und Sprungsportarten wie Fußball, Handball, Ringen, Hochsprung oder auch intensives Skifahren.“ Günstiger seien z. B. Radfahren, Schwimmen, Wandern und Skilanglauf.

Doch Arthrose und Gelenksverschleiß gibt es nicht nur an Knie und Hüfte, bei vielen Menschen sind die Hand- bzw. Fingergelenke betroffen. Dabei gebe es nicht „ein“ Handgelenk sondern viele kleine Gelenke in der Hand, die von Verschleiß betroffen sein können, machte der Sektionsleiter Handchirurgie Dr. Steffen Löw in seinem Vortrag deutlich. In vielen Fällen könne Schmerzfreiheit und Stabilität durch eine Versteifung oder Teilversteifung des Gelenks erreicht werden, wobei allerdings die Beweglichkeit eingeschränkt werden könne. „Eine weitere effektive Methode ist die operative Durchtrennung der schmerzleitenden Nerven, die sog. Denervation“, so Dr. Löw. „Die Funktion des Gelenks bleibt dabei erhalten und die Schmerzfreiheit tritt sofort ein.“ In jedem Einzelfall müsse man abwägen, welche Therapie sinnvoll sei.

Der Facharzt für Neurochirurgie Dr. Christian Herbold zeigte in seinem Vortrag auf, dass Schmerzen und Kraftlosigkeit in den Beinen oft die Folge von Abnutzungserscheinungen der Lendenwirbelsäule sind. Dabei ging er auf die beiden häufigsten degenerativen Erkrankungen ein, den Bandscheibenvorfall und die Spinalkanalstenose, eine Einengung des Nervenkanals in der Wirbelsäule. Bei leichteren Beschwerden ohne stärkere Ausfälle reiche oft eine konservative Therapie z.B. mit Schmerzmitteln, einer speziellen Lagerung, physikalischen Maßnahmen oder Akupunktur. „Bei zunehmenden Lähmungen in den Beinen und massiv ausstrahlenden Schmerzen ist eine Operation aber häufig unvermeidbar“, betonte er. Anhand von Grafiken und mit Originalaufnehmen aus dem OP stellte er die verschiedenen OP-Verfahren anschaulich vor und ging auch auf mögliche Risiken ein.

Wie wichtig eine gute Physiotherapie für die Nachbehandlung und den Erfolg einer Operation ist, machten die beiden Physiotherapeutinnen Annette Lehr und Daniela Siegl in ihrem Vortrag deutlich. Sie zeigten aber auch die Möglichkeiten der Physiotherapie auf, die bei einer beginnenden Arthose Entlastung schaffen können. Sie gaben praktische Anleitungen zu Bewegungsübungen für Zuhause und regten die Besucher mit einer kurzen Demonstration auf der Bühne zum Mitmachen an. Mehrere Sanitätshäuser informierten die Besucher außerdem über die verschiedenen Hilfsmittel für den Alltag.

 
 
 
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