12.09.2017

Drei Jahre Theorielernen und Pflegepraxis, Höhen und Tiefen, Freude und (Mit-)Leiden – kurzum: drei Jahre Ausbildungszeit – sind für sie zu Ende: 14 Schülerinnen und Schüler der Klasse 14-17 H des Caritas-Bildungszentrums sind nun examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen. Eine weitere wird künftig als Altenpflegerin im Einsatz sein. Klassenbeste ist Melina Köhler mit einem Schnitt von 1,67. Sechs der Examinierten bleiben im Dienst des Caritas-Krankenhauses.
"Der Dichter Eugen Roth erkannte bereits 1970, mit
welchen Problemen Sie einmal im Gesundheitswesen zu kämpfen haben werden. Da
ist die Rede von wegrationalisierter Liebe durch Wegfall von Pflegenden, die
durch allerhand Maschinen und selbstständig arbeitende Apparaturen ersetzt
werden. Und trotzdem haben Sie sich für den sinnstiftenden Beruf der
Gesundheits- und Kranken- bzw. Altenpflege entschieden. Das verdient in diesen
schwierigen Zeiten viel Anerkennung", eröffnete Regionalleiter Thomas Wigant
die Examensfeier in der Aula des Caritas-Krankenhauses nach dem Gedichtvortrag
von Roths "Selbstbedienung". "Anders als die heutigen Politiker wissen Sie,
dass nicht alles eingespart werden kann, was gute Pflege neben der
Fachkompetenz ausmacht - nämlich Liebe, Umsicht, Zuwendung und das Einstehen
für die Patienten und deren Angehörige, aber auch für Ihre Kollegen in den
Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen." Daher freue es den Regionalleiter
ganz besonders, dass die frisch Examinierten mit Herz und Verstand bedürfnisorientiert
pflegen wollen. "Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Tatendrang, Lust an Ihrer
Arbeit und dass Sie berufspolitisch etwas bewegen wollen und auch können", so
Wigant.
Auch Norbert Stolzenberger, Leiter des Caritas-Bildungszentrums, gratulierte den Absolventen: "Eine erste Etappe im Berufsleben haben Sie heute mit Ihrem Examen nach zweimonatiger Prüfungsphase erreicht. Dazu beglückwünsche ich Sie von Herzen." Die frisch Examinierten hätten sich einen Beruf ausgesucht, in dem sie vorrangig mit Menschen zu tun haben, die körperlich, geistig und seelisch Unterstützung brauchen. Neben der medizinisch-pflegerischen Leistung sei es besonders wichtig, für diese Menschen da zu sein, Ihnen ein offenes Ohr, ein tröstendes Wort und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben - trotz generellem Zeit- und Geldmangel im Gesundheitswesen. "Sie können aktiv die Zukunft der Pflege beeinflussen", so Stolzenberger weiter. "Verfallen Sie nicht in Lethargie oder Selbstmitleid wegen der Stolpersteine, die uns die Politik in den Weg legt. Seien Sie lieber der sprichwörtliche Flügelschlag des Schmetterlings, der einen Tornado auslösen kann - für die wirklich wichtigen Dinge im Leben."
Auf die Flügelmetapher ging auch Pflegedirektor Frank Feinauer ein. Er dankte zunächst den Mitarbeitenden auf den Stationen und den Praxisanleitenden für ihren tatkräftigen Einsatz, den ehemaligen Schülerinnen und Schülern "das Handwerkszeug guter Pflege mit auf den Weg gegeben" zu haben. Schließlich würdigte er auch die 15 Examinierten für ihre tollen Leistungen und betonte, dass es gerade in der Pflege wichtig sei, Gefühle sprechen zu lassen, nicht nur Medizin und Pillen auszugeben. "Breiten Sie Ihre Flügel in Umbruchzeiten der Pflege besonders weit aus, beweisen Sie Herz und Seele für Ihre Patienten und Kollegen. Nur so kann neben reiner Behandlungspflege auch Betreuungs- und Begleitpflege erwachsen."
Auch Klassenlehrerin Inge Friedrich richtete noch ein
paar Worte an ihre ehemaligen Schützlinge: "Es gibt viele Wege, die Sie gehen
können und gehen werden - egal ob Sie direkt in den Pflege einsteigen, erst
noch studieren oder sich mit einer Fachweiterbildung spezialisieren. Aber ich
bin sicher, Sie werden alle Ihren ganz speziellen Weg gehen - wie schon während
der Ausbildung. Danke für drei tolle Jahre, die ich mit Ihnen verbringen
durfte." Bevor sie den
Absolventen/-innen abschließend in alter Tradition das flammende Caritas-Kreuz überreichte,
unternahm Inge Friedrich noch eine humorvolle Reise durch die
Ausbildungsstationen - von den Vorstellungsgesprächen über diverse Exkursionen
hin zu Projektpräsentation, einer Rollstuhlfahrt durch Bad Mergentheim und der
Faschingsfeier für die jungen Patienten in der Kinder- und Jugendmedizin sowie
abschließend den erfolgreichen Prüfungen.
Dann kamen die Examinierten noch selbst zu Wort, als
stellvertretend für den Kurs 14-17 H Ronja Weber, Melina Köhler und Gina Lepore
vor Klassenkammeraden und Gäste traten. Sie dankten mit liebevollen Worten dem
Team des Bildungszentrums, den Praxisanleitern, ihren Freunden und Familien
"für drei meist wundervolle Jahre, in denen wir viel gelernt haben - fachlich
aber auch zwischenmenschlich". Die Einserabsolventin Melina Köhler trug abschließend
ein selbstgeschriebenes Gedicht vor, in dem sie sich für die tolle gemeinsame
Zeit bedankte, besonders bei den Lehrern und Ausbildern, die "lehren
Unterricht, aber auch eine neue Lebenssicht". Auch wagte die frisch Examinierte
einen Ausblick auf den neu beginnenden Lebensabschnitt. So war darin die Rede
von der aktuellen Lebensspanne des jungen Erwachsenenalters, aber auch vom
Berufsleben. Denn in beidem stresse man sich den Stress oft selbst zusammen,
doch letztlich "ist das Leben das, was wir selbst daraus machen" mit all seinen
Erfahrungen, dem lebenslangen Lernen und dem gemeinsamen Miteinander. (ckbm)
Das Examen erfolgreich abgelegt haben:
als Gesundheits- und Altenpflegerin Alexandra Gattenhof (Lauda-Königshofen),
als Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen (alphabetisch)
Julia Bastron (Bad Mergentheim), Karolina Fritzler (Gerabronn), Michele
Guiseppe Iurlo (Seckach), Sarah Kobeissi (Öhringen), Melina Köhler
(Weikersheim), Natela Kraus (Igersheim), Gina Lepore (Künzelsau), Kristiina
Nied (Assamstadt), Sr. Rosina Pariat (Bad Mergentheim), Marie Plechinger
(Dorfprozelten), Michelle Rentz (Ergersheim), Julia Sigeti (Lauda-Königshofen),
Sr. Roselina Tigga (Bad Mergentheim), Ronja Weber (Höpfingen).