08.04.2016

Minimal-invasive Therapien im Fokus

Minimal-invasive Therapien im Fokus

Rund 250 Besucher nutzten am Samstag 16. April die Gelegenheit, sich beim gemeinsamen Patiententag von Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim und Krankenhaus Tauberbischofsheim über Durchblutungsstörungen zu informieren. In vier Vorträgen stellten die Ärzte moderne, Patienten schonende Therapieverfahren vor, die mit minimal-invasiven Schlüssellochverfahren die gestörte Durchblutung wiederherstellen können.

Eine Erkrankung, die sich schon mit bloßem Auge und durch Abtasten der Beine erkennen lässt, ist die gestörte Durchblutung der Beinvenen, die "Krampfadern". Dabei ist die Funktion der Venenklappen gestört und das Blut sackt in den oberflächlichen Venen in die falsche Richtung zurück "wie ein Geisterfahrer", erläuterte der Leitende Oberarzt der Chirurgie im Krankenhaus Tauberbischofsheim Farssa Rastani. Erste Maßnahme sei meist das Tragen von Kompressionsstrümpfen. "Das verschafft jedoch keine Heilung, sondern erhält lediglich den Status", betonte der Facharzt für Chirurgie. Neben der chirurgischen Entfernung habe sich vor allem die Verödung der oberflächlichen Leitvene als schonendes Therapieverfahren bewährt. Bei dieser sog. "Radiofrequenzinduzierten Thermotherapie" wird ein dünner Katheter in die Vene eingeführt und die Vene von innen durch Hitze verödet. "Vorteile sind die kürzere OP-Zeit, weniger Blutergüsse und ein kleinerer Eingriff als bei der offenen OP", machte Rastani deutlich.
Minimal-invasive Behandlung bei Aussackung der Bauchschlagader
Weniger schnell zu erkennen, aber oft mit gefährlichen Folgen für die Betroffenen sind Durchblutungsstörungen der Arterien. "Eine Aussackung der Bauchschlagader kann unter Umständen lebensbedrohlich verlaufen", warnte Privatdozent Dr. Ulrich Baum, Chefarzt der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie am Caritas-Krankenhaus. Lebensbedrohlich werde es dann, wenn diese Aussackung reißt. Deswegen sei es von hoher Bedeutung, diese Aussackung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Meist verlaufe diese Gefäßerkrankung aber symptomlos: "Eine Aussackung wird oft als Zufallsbefund bei einem Ultraschall oder einer CT diagnostiziert", erklärte der Radiologe. Während früher eine offene OP als Standard galt, gehe heute die Tendenz stark zur wesentlich schonenderen minimal-invasiven Therapie. "Wir setzen dabei über eine kleine Öffnung eine Stentprothese in die Bauchschlagader ein und nehmen so den Druck von der Gefäßwand." Aber auch danach müsse der Patient weiter engmaschig kontrolliert werden.
PAVK bleibt anfangs oft unbemerkt
Ähnliche minimal-invasive, schonende Methoden gibt es auch für die Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, besser bekannt als Schaufensterkrankheit. Dabei kommt es vor allem in den Beinschlagadern zu einer fortschreitenden Verengung bis hin zum Verschluss der Blutgefäße. Anfangs bleibe dies oft unbemerkt. "Durch die Verengungen ist jedoch auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall stark erhöht", warnte der Leiter des Gefäßzentrums Tauberfranken Dr. Jochen Selbach. Bevor Medikamente oder ein operativer Eingriff eingesetzt werden, sei es wichtig, die Krankheit erst gar nicht entstehen zu lassen. "Nicht rauchen, mehr bewegen, gesunde Ernährung und eine regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks sind die beste Vorbeugung", unterstrich der Chefarzt. (Information zur interventionellen Behandlung von PAVK auch im Film )
Gegen einen drohenden Verschluss der Halsschlagader
Ein gesunder Lebensstil kann auch das Risiko für einen Schlaganfall mindern. Das machte Dr. Ulrich Raschdorf in seinem Vortrag deutlich. "Ein erhöhtes Alter, Diabetes mellitus, Herzerkrankungen oder Fettstoffwechselstörungen begünstigen einen Schlaganfall." Der Facharzt für Viszeral- und Gefäßchirurgie gab Anleitungen für Erste Hilfe Maßnahmen falls Symptome wie eine halbseitige Lähmung, Sehstörungen, Drehschwindel oder Sprachstörungen auftreten, denn: "Time is brain", signalisierte der Sektionsleiter der Gefäßchirurgie am Caritas-Krankenhaus. "Bereits innerhalb kurzer Zeit gehen, durch Durchblutungsstörungen verursacht, viele Nervenzellen im Gehirn verloren". Er stellte außerdem Möglichkeiten vor, um einen drohenden Verschluss der Halsschlagader zu verhindern. Neben Medikamenten und einer offenen Operation gebe es auch hier die Option mit Hilfe eines Katheters eine Gefäßstütze (Stent) in die Halsschlagader einzuführen.
Bewegungstipps der Physiotherapie
Im Anschluss an die Vorträge nutzten viele Besucher die Angebote, sich über Untersuchungsmöglichkeiten wie Ultraschall und die Doppler-Fussdruckmessung zu informieren. Physiotherapeuten der Physiotherapieschule Sanitas gaben Anleitungen für Bewegungsübungen, um die Durchblutung zu fördern. Die Sanitätshäuser stellten außerdem verschiedene Hilfsmittel vor. Auch die Ärzte standen für die Fragen der Besucher zur Verfügung.
Information und Kontakt:

  • Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim, Tel. 07931-58-3158 oder 58-2958.
  • Krankenhaus Tauberbischofsheim, Tel. 09341-800-1261