Freiwillig ins Krankenhaus? Das wollten am vergangenen Sonntag mehrere tausend Menschen, um beim Tag der Offenen Tür einen Blick hinter die Kulissen des Caritas-Krankenhauses zu werfen. Die Besucher strömten in die Eingangshalle mit dem begehbaren Darm, drängten sich im OP, im Herzkatheterlabor, in der Intensivstation, im Aufwachraum und an den Infoständen, um spannende Einblicke und Informationen der Ärzte und Pflegenden über den Alltag im Krankenhaus zu bekommen. Anlass war das 70jährige Bestehen des Caritas'.
Der Sonntag
begann mit einer feierlichen Messe in der Krankenhauskirche "Maria - Heil der
Kranken". Hauptzelebrant Pfarrer Oliver Merkelbach, Diözesancaritas-Direktor
der Diözese Rottenburg-Stuttgart, griff in seiner Predigt ein Wort von Papst
Franziskus zum Jahr der Barmherzigkeit auf. "Es geht darum alle Menschen
einzugliedern - man muss jedem helfen, an der kirchlichen Gemeinschaft
teilzunehmen" zitierte er den Papst. Der Dreiklang der Barmherzigkeit sei das
Sehen, das Mitfühlen und letztendlich das Handeln, also eine Situation erkennen,
das Herz sprechen lassen, mitfühlen und leiden und die Bereitschaft dann auch
zu handeln, so Merkelbach. Klar sei aber, dass der Ursprung dieser
Barmherzigkeit immer Gott sei und nicht der Mensch. In diesem Sinne sei die
Sorge um kranke Menschen im Krankenhaus auch ein Werk der Barmherzigkeit.
Wie die
Arbeit im Krankenhaus im Alltag hinter den Kulissen aussieht - das konnten sich
die zahlreichen Besucher am Nachmittag ansehen. Besonders groß war das Interesse
am OP: hier erläuterten Ärzte und Pflegende anschaulich an Puppen die OP-Vorbereitung
und Narkose von Patienten. Chirurgen zeigten minimal-invasive OP-Techniken und
Besucher konnten am OP-Trainer selbst ihre Geschicklichkeit bei dieser
Schlüssellochmethode testen. Die Unfallchirurgen demonstrierten chirurgische
Instrumente und die Besucher durften Sägen, Bohrer und Skalpelle selbst in die
Hand nehmen. Anschaulich präsentierte sich auch die Stroke unit für Schlaganfallpatienten,
auf der Besucher im Lifter aus dem Bett in einen Stuhl transferiert wurden. Wie
viel Technik im Einsatz ist, um einen schwerkranken Patienten auf der Intensivstation
zu versorgen, erläuterten Ärzte und Pflegende ebenso wie die
Überwachungsmöglichkeiten im Aufwachraum. Im Herzkatheterlabor konnten die
Besucher hautnah an den Geräten und am Bildschirm die moderne Behandlung des
Herzinfarkts verfolgen und auch in der Gynäkologie wurden laparoskopische
Eingriffe am Modell anschaulich gezeigt.
Der 20 Meter
lange begehbare Darm lockte viele Besucher, die sich über die Entstehung und
Behandlung von Darmkrebs informieren wollten. An echten Instrumenten
erläuterten Mitarbeitende des Caritas-Krankenhauses wie eine Darmspiegelung
abläuft. Außerdem gab es Tipps der Ernährungsberatung. Auch die urologische
Ambulanz zeigte Geräte und Instrumente zur Diagnostik und Therapie; Blutdruck-
und Blutzuckermessungen wurden angeboten und an allen Stationen im Haus standen
Ärzte, Pflegende und Therapeuten bereit, um die Fragen der Besucher zu
beantworten, sei es zum Thema Krebstherapie, Hygiene oder Qualität im
Krankenhaus oder zu Fragen wie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Das
Bildungszentrum stellte außerdem die Pflegeausbildung vor.
Auch die
Kinder hatten ihren Spaß beim Tag der offenen Tür: jedes Kind bekam auf Wunsch
einen Gipsverband an der Hand oder am Finger und konnte beim Bärenhospital des
Jugend-DRK einen Teddy verarzten und einen Krankenwagen erkunden. Zur
Unterhaltung im Festzelt spielte die Inklusionsband Mosaik fetzige Rhythmen und
brachte die Gäste in Schwung.





Schon am Samstag
hatte das Caritas-Krankenhaus gemeinsam mit der Stadt Bad Mergentheim bei einem Festakt in der
Wandelhalle offiziell das 70jährige Jubiläum gefeiert. Die Festansprachen hielten
Bruder Alfons-Maria Michels, Geschäftsführer der BBT-Gruppe, und Dr. Rainer Brockhoff,
Diözesancaritas-Direktor der Diözese Rottenburg Stuttgart, die vor allem an die
schweren Anfänge des Caritas-Krankenhauses in der Nachkriegszeit erinnerten und
den Mitarbeitenden für ihre Arbeit dankten.
In einer
eindrücklichen Festrede wandte sich anschließend Prof. Dr. Heribert Prantl,
Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, gegen eine umfassende
Ökonomisierung im Gesundheitswesen. "Pflege und Krankheit sind nicht börsen-
oder renditefähig" machte er klar. Wenn Kaufleute und Betriebswirtschaftler aus
der Medizin eine Industrie machten, bekomme das Ärzten und Patienten nicht.
Notwendig seien nicht Kostenmanager sondern die "Auferstehung von Nächstenliebe
und wärmender Fürsorge", so Prof. Prantl und verwies auf das Grundgesetz "Die
Würde des Menschen ist unantastbar." Trotz aller kritischen Betrachtungen stellte
der Jurist und Journalist aber auch das Positive der Gesundheitsversorgung in Deutschland
fest und gab zu bedenken: "Wir haben im internationalen Vergleich die kürzesten
Wartezeiten, die verlässlichsten Laborbefunde, die größte Freiheit bei der
Arztwahl und sind dennoch mit unserem Gesundheitswesen international am
unzufriedensten."