14.10.2014

Infotag: Hilfe bei Gelenkschmerzen

Infotag: Hilfe bei Gelenkschmerzen

Beim Patiententag am Samstag, 18. Oktober im Caritas-Krankenhaus nutzten mehr als 350 Besucher die Gelegenheit, sich ausführlich über die Behandlungsmöglichkeiten bei Gelenkschmerzen an Knie, Hüfte, Schulter und an der Hand zu informieren.



"Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit, allein in Deutschland sind rund acht bis zehn Millionen Menschen betroffen", erläuterte Dr. Sabine Bau in ihrem einleitenden Vortrag. "Wichtigster Risikofaktor: das Alter". Daran könne man zwar wenig ändern, aber es gebe durchaus auch beeinflussbare Risikofaktoren.

Risikofaktor Übergewicht

"Am wichtigsten ist hier das Übergewicht, das oft zu einem regelrechten Teufelskreis führt". Angst vor Schmerzen bei Belastung der Gelenke führe zu weniger Bewegung und dies zu noch mehr Übergewicht und damit zu mehr Belastung der Gelenke. Noch bevor man zu Medikamenten greife, helfe daher oft eine Reduzierung des Gewichts und Krankengymnastik, die mit Training zu Hause fortgesetzt werde. Als weitere konservative Therapiemöglichkeiten führte die Orthopädin Salben, Spritzen, Akupunktur, manuelle Therapie oder Hilfsmittel wie Bandagen und Schienen an. "Alle diese Maßnahmen können die Knorpeldegeneration am Gelenk nicht heilen, sondern nur verlangsamen und die Schmerzen mildern", so Dr. Bau.

Erfahrung des Operateurs bei künstlichem Gelenk entscheidend
Wenn diese Maßnahmen nicht mehr greifen, bleibt häufig nur der Ersatz durch ein künstliches Gelenk. Oberarzt Dr. Ralf Throm schilderte die aktuellen Entwicklungen bei den Operationstechniken und Prothesenmodellen. "Nicht die Länge des Hautschnittes ist bei dem Zugang zum Gelenk entscheidend, sondern dass das Gewebe darunter bei der Operation möglichst intakt bleibt", machte der erfahrene Unfallchirurg deutlich. Auch spezielle Männer- oder Frauenprothesen etwa für Kniegelenke seien nicht erforderlich, da es eine hohe individuelle Variabilität bei Männern und Frauen gebe. "Wichtiger für ein langfristig stabiles Kunstgelenk ist die Erfahrung des Operateurs, eine korrekte Implantationstechnik und nach der Operation eine gute Nachbehandlung, bei der der Patient selbst intensiv mitarbeitet", betonte er.

Sport mit einem künstlichen Gelenk ist möglich
Mit intensivem Sport sollte man allerdings erst ca. ein halbes Jahr nach der Operation beginnen, räumte Oberarzt Dr. Dirk Herold in seinem Vortrag ein. "Sport mit einem künstlichen Gelenk ist möglich und sinnvoll", machte er klar, denn Sport habe viele positive Effekte für die Fitness, Gewichtskontrolle, aber auch für die Gangsicherheit und den Schutz vor Stürzen. "Ungünstig sind allerdings Kontakt- und Sprungsportarten wie Fußball, Handball, Ringen, Hochsprung oder auch intensives Skifahren." Günstiger seien dagegen Radfahren, Schwimmen, Wandern und Skilanglauf oder Joggen mit guten Sportschuhen. "Es gibt aber keine strikten Verbote, sondern die Situation jedes einzelnen Patienten muss beachtet werden", machte er klar.

Niedrige Infektionsrate
Mit den Ängsten vor einer Operation und möglichen Infektionen im Krankenhaus setzte sich Chefarzt Prof. Dr. Christoph Eingartner auseinander. Mit hohem Aufwand engagiere sich das Caritas-Krankenhaus, um Infektionen einzudämmen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. "Ausgewählt nach Risikogruppen testen wir mehr als ein Viertel der Patienten auf den Krankenhauskeim MRSA und isolieren die Patienten falls nötig." Aber: "Null Infektionen gibt es nicht, das ist unrealistisch", machte Prof. Dr. Eingartner klar. Im Caritas-Krankenhaus liege die Infektionsrate bei Kunstgelenken mit 0,5 % unter dem Bundesdurchschnitt. "Etwa ein Gelenk pro Jahr ist betroffen", so der Chefarzt. Seine Empfehlung an die Patienten: "Lassen Sie Infekte an anderen Stellen im Körper etwa an den Zähnen, Füßen oder Händen sanieren, damit können Sie selbst dazu beitragen, Infektionen zu vermeiden."

Behandlung an Hand- und Schultergelenken
Doch Arthrose und Gelenksverschleiß gibt es nicht nur an Knie und Hüfte, bei vielen Menschen sind die Hand- bzw. Fingergelenke oder die Schulter betroffen. Der Sektionsleiter Handchirurgie Dr. Steffen Löw stellte in seinem Vortrag die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten an den Hand- und Fingergelenken vor. In vielen Fällen könne die Beweglichkeit und Schmerzfreiheit durch eine Versteifung oder Teilversteifung der Gelenke erreicht werden. "Eine weitere effektive Methode ist die operative Durchtrennung der schmerzleitenden Nerven, die sog. Denervation", so Dr. Löw. Welche Möglichkeiten es bei der Behandlung von Schulterschmerzen gibt, zeigte Dr. Silke Gerland an verschiedenen Beispielen auf. Sie machte deutlich wie wichtig das Gespräch mit dem Patienten bei der Diagnose ist und stellte konservative und operative Therapiemethoden vor.

Viele Besucher nutzten die Möglichkeit zum Gespräch mit den Ärzten.
Viele Besucher nutzten die Möglichkeit zum Gespräch mit den Ärzten.
Physiotherapeuten gaben Anleitung zu Bewegungsübungen für Zuhause.
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