18.11.2014

MS-Tag informiert über neue Therapien

MS-Tag informiert über neue Therapien

Am Samstag, 22. November 2014, informierte die Klinik für Neurologie über neue Therapiemöglichkeiten für Menschen mit MS. Die Neurologen plädierten in den Vorträgen für eine kontinuierliche und konsequente Behandlung der Nervenerkrankung auch in schubfreien Phasen. Therapeuten boten in Workshops außerdem viele praktische Tipps.



Multiple Sklerose MS ist zwar nicht heilbar, aber die chronisch entzündliche Nervenerkrankung ist behandelbar. "Wenn man von Anfang an eine Therapie konsequent einsetzt, können MS-Betroffene ein normales Leben führen", diese positive Botschaft gab Prof. Dr. Mathias Mäurer den mehr als 250 Besuchern beim MS-Tag im Caritas-Krankenhaus mit auf den Weg. Neben den Vorträgen gab es für die Interessierten viele aktuelle Informationen in Workshops, der Fragerunde mit den Ärzten und an den zahlreichen Infoständen.

Schwangerschaft und MS
Positive Nachrichten hatte auch Privatdozentin Dr. Kerstin Hellwig von der Universität Bochum, besonders für junge Frauen, die von MS betroffen sind. "Frauen mit MS können genauso schwanger werden wie andere Frauen auch, es gibt kein Fruchtbarkeitsproblem bei MS", so die ausgewiesene Expertin, die das Deutsche MS Schwangerschaftsregister leitet. "MS ist auch keine Erbkrankheit im eigentlichen Sinn", führte sie weiter aus. Bei zwei gesunden Eltern liege das Risiko des Kindes an MS zu erkranken bei rund 0,1 %, wenn ein Elternteil erkrankt sei bei 3 bis 5 %. "Dieses Risiko ist vernachlässigbar", so PD Dr. Hellwig. Auch die Schwangerschaft verlaufe wie bei gesunden Frauen. "Nur wegen MS ist es keine Risikoschwangerschaft und nur wegen MS ist auch kein Kaiserschnitt erforderlich. Auch eine PDA während der Geburt ist möglich."


Stillen mit MS ist möglich
Der Gesamtverlauf der MS werde durch eine Schwangerschaft nicht beeinflusst. "Während der Schwangerschaft sinkt in der Regel die Schubrate, aber nach der Geburt steigt sie häufig an, bis sie sich nach ca. vier Monaten wieder auf dem Ausgangsniveau einpendelt." Die Neurologin ging im Anschluss auf die gängigen sowie die neu zugelassenen MS-Medikamente und deren Einfluss auf das Ungeborene während einer Schwangerschaft ein und zeigte mögliche Risiken auf. Grundsätzlich empfiehlt sie die Medikamente während der Schwangerschaft abzusetzen und eventuelle schwere Schübe mit Kortison oder durch Plasmapherese zu behandeln. "Stillen ist möglich, aber wenn man nicht stillt sollte man möglichst bald nach der Geburt wieder mit der Medikation beginnen."

Therapiebeginn so früh und so konsequent wie möglich
Die Empfehlung für eine kontinuierliche Medikation unterstrich auch Prof. Dr. Mathias Mäurer in seinem Vortrag über die aktuellen Entwicklungen in der MS-Therapie. Der Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus, der sich seit Jahren intensiv mit MS beschäftigt, beschrieb den "Schlüssel zum Erfolg einer wirksamen MS-Therapie" so: "Therapiebeginn so früh und so konsequent wie möglich." Je später und je inkonsequenter die Behandlung durchgeführt werde, umso eher sei mit den Folgen wie Mobilitätseinschränkung und Leistungsminderung zu rechnen.

Neue Wirkstoffe gegen MS in Tablettenform

Gerade für die milden bis moderaten MS-Fälle gebe es Dank der fortschreitenden Forschung eine große Auswahl an verschiedenen Medikamenten. "Mit Aubagio und Tecfidera gibt es jetzt zwei neue Wirkstoffe in Tablettenform für die Basistherapie; seit Juli 2014 steht außerdem ein Interferon-Präparat zur Verfügung, das nur noch alle zwei Wochen gespritzt werden muss." Zugleich verfüge man bei einem hochaktiven MS-Verlauf mit Alemtuzumab über einen Wirkstoff, der eine anhaltende und signifikante Schubreduktion ermögliche. Mäurer sprach sich für "null Toleranz" bei der MS-Therapie aus. "Wir müssen die Erkrankung so stark und so potent zurückdrängen wie irgend möglich, mit dem Ziel die Freiheit von Krankheitsaktivität und eine hohe Lebensqualität zu erreichen."

Therapie der Symptome bei fortgeschrittener MS
Die Therapieoptionen bei der fortgeschrittenen, chronisch progredienten MS stellte Dr. Jochen Ulzheimer, Neurologe und Oberarzt im Caritas-Krankenhaus, vor. Diese Phase der Krankheit sei weniger durch die Entzündung als vielmehr durch einen allmählichen Abbau des Nervengewebes gekennzeichnet. "Die Medikamente sprechen in dieser Phase leider nicht so gut an wie bei der schubförmigen MS", machte Dr. Ulzheimer deutlich. "Umso mehr gewinnt die symptomatische Therapie an Bedeutung." Um die Gehfähigkeit zu trainieren und die Spastik in den Muskeln zu reduzieren, helfe eine Verbindung von Physiotherapie und Medikamenten. "Mit Sativex haben wir jetzt zum Beispiel ein Mundspray, das spastiklösend und schmerzlindernd wirkt." Auch Blasenstörungen müssten konsequent behandelt werden, um drohende Harnwegsentzündungen zu verhindern.

Gedächtnistraining und Bewegungsübungen
Bewegungsübungen mit Musik konnten die Besucher gleich im Anschluss ganz praktisch in einem der Workshops anwenden. Sprechübungen und Gedächtnistraining waren weitere Workshop-Themen. Für Angehörige zeigten Krankenpfleger praktische Tipps für den Alltag mit pflegebedürftigen Patienten. Intensiv nutzten die Besucher außerdem die offene Fragerunde, bei der neben den Referenten auch der niedergelassene Neurologe Dr. Herbert Hock Rede und Antwort stand.

Prof. Dr. Mathias Mäurer und PD Dr. Kerstin Hellweg informierten über neue Therapiemöglichkeiten.
Prof. Dr. Mathias Mäurer und PD Dr. Kerstin Hellweg informierten über neue Therapiemöglichkeiten.
Betroffene konnten u.a. Yoga und Aromatherapie  ausprobieren.
Betroffene konnten u.a. Yoga und Aromatherapie ausprobieren.
Viele Informationen boten die verschiedenen Stände der Firmen und Sanitätshäuser.
Viele Informationen boten die verschiedenen Stände der Firmen und Sanitätshäuser.
Bewegung mit Musik demonstrierte Physiotherapeutin Karin Lessing.
Bewegung mit Musik demonstrierte Physiotherapeutin Karin Lessing.
Bei Fragen zu MS können Sie sich gerne an die Klinik für Neurologie wenden.
Tel. 07931 58-3458