02.10.2013
Infotag: Hilfe bei Gelenkschmerz

Rund 400 Besucher informierten sich am Samstag, 12. Oktober, über die Therapiemöglichkeiten bei Schmerzen an Knie, Hüfte, Schulter und Hand. Großes Interesse herrschte beim überdimensionalen Kniegelenk.
"Schmerzen an den Gelenken sind der Preis fürs Älterwerden", betonte Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Prof. Dr. Christoph Eingartner in seinem einleitenden Vortrag. "Denn die häufigste Ursache hierfür sind Verschleißerscheinungen, die im Laufe des Lebens auftreten." Welche konkreten Folgen dies für die einzelnen Gelenke hat, machten die Referenten in der Folge deutlich.
Übergewicht als Ursache für Schmerzen am Kniegelenk
Wichtigste Ursachen für die Schmerzen am Knie seien Meniskus- oder Knorpelschäden, führte Dr. Silke Gerland, Leiterin der Sektion Sportorthopädie, aus. "Wie graue Haare und Falten im Gesicht unterliegen Meniskus und Knorpel einem Alterungsprozess und können ihre Aufgabe als Gleitfläche und Puffer zwischen den Knochen nicht mehr erfüllen." Weitere Ursachen seien Fehlstellung der Beine wie X- oder O-Beine, intensiver Sport, besondere berufliche Belastungen, frühere Verletzungen und vor allem Übergewicht. "Bei einem Sprung aus ein Meter Höhe lastet das 24-Fache des Körpergewichts auf dem Knie - hier zählt also jedes Kilo."
Konservative Therapie
Nach der Diagnosestellung gebe es zunächst konservative Therapiemöglichkeiten wie Salben, Bandagen, Einlagen, Krankengymnastik, Massage, Elektrotherapie oder Akupunktur und Medikamente zur Schmerzlinderung. "Bei Knorpelschäden kann auch eine Arthroskopie helfen, bei der der Knorpel in einem ca. 30-minütigen Eingriff geglättet wird."
Patient entscheidet über ein künstliches Gelenk
Über ein "Dies ist nie ein Muss, sondern immer nur eine Möglichkeit", machte Oberarzt Dr. Dirk Herold in seinem Vortrag klar. "Erst wenn der Patient die Nase voll hat von den Schmerzen und seine Lebensqualität dadurch stark eingeschränkt ist, ist ein künstliches Gelenk eine Option. Diesen Zeitpunkt bestimmt einzig und allein der Patient." Ziel sei es ein gutes Langzeitergebnis für den Patienten zu erreichen. Ein Film zeigte im Anschluss wie die Implantation eines künstlichen Kniegelenks am Beispiel eines Patienten im Caritas-Krankenhaus konkret abläuft.
Qualiät kein Zufall sondern Ergebnis systematischer Arbeit
Chefarzt Prof. Dr. Eingartner machte deutlich, welche zusätzlichen Maßnahmen das Caritas-Krankenhaus getroffen hat, um den Patienten eine möglichst gleichbleibend hohe Qualität beim Einsatz eines künstlichen Gelenks zu sichern. "Qualität ist heute mehr als nur ein Zufall, sondern das Ergebnis systematischer Arbeit und überprüfbarer Abläufe", betonte der Chefarzt. Als Endoprothesenzentrum verpflichte sich die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie bei jedem einzelnen Patienten bestimmte Standards einzuhalten.
Ausschließlich erfahrene Operateure
"Wir setzen nur wissenschaftlich überprüfte Behandlungsmethoden ein. Alle Befunde und Untersuchungsergebnisse müssen vorliegen und bestimmte Anforderungen erfüllen. Vor jeder Operation wird jeder Einzelfall noch einmal besprochen, die Röntgenbilder per Computer vermessen und mögliche Nebenerkrankungen oder Medikamente berücksichtigt", so Prof. Eingartner. "Nur erfahrene Hauptoperateure führen die OP durch. Und falls es doch einmal zu Komplikationen kommen sollte, gibt es ein klar definiertes Komplikationsmanagement, um für den Patienten dennoch ein gutes Ergebnis zu erreichen." Die Umsetzung dieser Maßnahmen werde bei einer Zertifizierung von externen Fachleuten überprüft.
Stürze im Alter mit schwerwiegenden Folgen
Auch bei der Behandlung von älteren Patienten hat das Caritas-Krankenhaus zusätzliche Standards eingerichtet. Hintergrund ist die steigende Zahl von Stürzen mit Knochenbrüchen bei älteren Menschen. "Etwa jede dritte Frau erleidet im Laufe ihres Lebens einen Oberschenkelhalsbruch mit oft schwerwiegenden Folgen", betonte der leitende Oberarzt Dr. Ralf Throm. "Etwa 25 Prozent der Patienten lebt ein Jahr nach einem Oberschenkelhalsbruch nicht mehr, ein weiteres Drittel bleibt pflegebedürftig." Um dies zu vermeiden, arbeite ein Team aus Orthopäden, Unfallchirurgen, Internisten, Geriatern (Fachärzte für Altersmedizin), speziell ausgebildeten Pflegekräften, Therapeuten und dem Sozialdienst eng zusammen und bespreche die Therapie der Betroffenen gemeinsam. "Ziel ist es den Patienten zur Eigenständigkeit anzuleiten, damit er nach dem Krankenhausaufenthalt wieder in seine gewohnte Umgebung zurückkehren kann", so Dr. Throm. Dazu gehöre auch die Information über Maßnahmen, um weiteren Stürzen vorzubeugen.
Bewegungstrainig als Vorbeugung
Eine dieser Maßnahmen ist regelmäßige Bewegung, um die Muskelkraft zu stärken. Dass dies auch im Alltag ohne großen Aufwand möglich ist, demonstrierte die Physiotherapeutin Christine Rupp: Begeistert ließen sich die Besucher von ihr zum "Stuhljogging", "Apfelweitwurf", Zehenkrümmen und Armerecken animieren.
Über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten bei Schmerzen an der Hand informierte anschließend die Assistenzärztin Julia Müller. Angeregt durch die Vorträge nutzten im Anschluss viele Besucher die Möglichkeit, direkt mit den Ärzten ins Gespräch zu kommen. Am Modell demonstrierten die Mediziner außerdem, wie eine Kniespiegelung funktioniert und wie mit Hilfe einer Bewegungsschiene, das Gelenk nach der Operation wieder trainiert werden kann. Die Sanitätshäuser präsentierten u.a. verschiedene Bandagen und Orthesen als unterstützende Hilfsmittel bei Gelenkproblemen. Großer Andrang herrschte bei dem überdimensionalen Kniegelenk, an dem Ärzte die verschiedenen Krankheitsbilder erläuterten.


