Unter dem Titel "Diagnose unheilbar?" gab der Gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, einen Ausblick auf die Zukunft des Gesundheitswesens in Deutschland. Er sprach sich für eine stärkere Mitfinanzierung des Systems durch Steuern aus.
"Ich glaube nicht, dass das Gesundheitswesen unheilbar ist, aber dass es sehr krankt", meinte Thomas Wigant, Hausoberer des Caritas-Krankenhauses, in seiner Begrüßung beim 5. Ärztetag im Caritas-Krankenhaus.
Gesundheitspolitik als Wirtschaftsfaktor
Gesundheitspolitik sei ein Spagat zwischen Sozial- und Wirtschaftspolitik, verdeutlichte Jens Spahn zu Beginn seines Referates. Rund 4,8 Millionen Menschen und damit jeder achte bis neunte Beschäftigte seien im Gesundheits- und Pflegebereich beschäftigt. Generell sei die Daseinsvorsorge die Sozialfrage des 21. Jahrhunderts. Bei der Gesundheitspolitik gehe es nicht nur um Geld, sondern um Lebenstage, -wochen oder -monate und immer um Lebensqualität. Dabei spielten auch ethische Fragen eine große Rolle, wie Spahn am Beispiel Organspenden verdeutlichte.
Mehr Mitfinanzierung durch Steuern
Im Wesentlichen sehe er drei Grundsäulen des deutschen Gesundheitswesens für die Zukunft. Wenn im Rahmen der Finanzierung, so die erste Säule, es heiße, die Gesundheitskosten seien gestiegen, werde das immer negativ aufgefasst, weil es immer im Zusammenhang mit der Beitragshöhe gesehen werde. "Wir müssen aus der Falle herauskommen, dass steigende Gesundheitskosten gleich steigende Personalkosten sind." Dabei müsse man das System der reinen Beitragsfinanzierung verlassen. Er plädiere für eine mehr steuerlich orientierte Finanzierung, zum Beispiel bei einer beitragsfreien Krankenversicherung für Kinder, da dies eine größere Gerechtigkeit bedeuten würde. Darüber hinaus sprach sich Spahn dafür aus, Überschüsse der Krankenkassen als Rücklage für schlechtere Zeiten zurückzuhalten.
Schneller Zugang zu medizinischen Innovationen
Als zweite Säule nannte Spahn Qualitätsmerkmale in der zukünftigen Versorgung durch einen schnellen Zugang zu Innovationen. Ein neues Medikament werde ab seiner Zulassung von den Krankenkassen bezahlt, auch wenn es im Vergleich zu einem bereits zugelassenen, ähnlichen Medikament das teurere sei. Er plädiere dafür, dass dies nur für solche Medikamente gelten solle, wenn ein medizinischer Mehrwert nachweisbar sei.
Flächendeckende medizinische Versorgung
Als dritte Grundsäule nannte er eine flächendeckende medizinische Versorgung. Um diese auch im ländlichen Raum weiter aufrecht zu erhalten, müssten nicht nur die finanziellen, sondern weitere Rahmenbedingungen verbessert werden, um Standorte für Ärzte attraktiv zu gestalten. 70 Prozent der heutigen Medizinstudenten seien Frauen, die sich in ihrer späteren beruflichen Tätigkeit eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie erwünschten.
Deshalb werde die Nachfrage nach "Einzelkämpferpraxen" immer geringer werden. "Allerdings müssen wir uns klar sein, dass der hohe Standard im ländlichen Raum nicht mehr so wie bisher gehalten werden kann", betonte Spahn.
Engere Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und Praxen
In diesem Zusammenhang werde eine sektorenübergreifende Versorgung von Klinik und Praxis eine immer größere Rolle spielen. "Wir sind nicht unheilbar und vielleicht nicht einmal richtig krank, sondern müssen präventiv wirken, indem die richtigen Maßnahmen und Partnerschaften angegangen und realisiert werden", meinte Spahn im Schlussfazit. "Ich finde es gut, dass mit Veranstaltungen wie dem Ärztetag der Dialog untereinander gefördert wird", erklärte Spahn anerkennend.
Dubowy für mehr Medizinstudienplätze
In einer Podiumsdiskussion, die von Dr. Mathias Jähnel, ärztlicher Direktor des Kreiskrankenhauses Tauberbischofsheim moderiert wurde, schilderte Thomas Dubowy, Hausarzt aus Krautheim, eindrücklich die schwierige ärztliche Versorgung in seiner Region, nachdem dort innerhalb weniger Monate neun von 14 Ärzten ihre Praxis aufgegeben haben. "Ich halte unser Gesundheitssystem für krank, es liegt sogar schon auf der Intensivstation", stellte der Allgemeinmediziner fest und forderte eine Erhöhung der Medizinstudienplätze in Deutschland.
Förderung von Prävention und Rehabilitation
Für den Diplom-Volkswirt Matthias Einwag, Verbandsdirektor der Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft, steht fest, dass "wir in Zukunft mit weniger Ärzten und Krankenhäusern auskommen müssen." Er sprach sich eine bessere Förderung von Prävention und Rehabilitation aus. Prof. Dr. Albert Rethmann, Professor für Theologische Ethik und Referent des BBT-Vorstandes, verwies in seinem Statement nicht nut auf die Situation der Ärzte sondern vor allem auf die angespannte Situation in den Pflegeberufen hin. "Ziel darf hier nicht die Gewinnmaximierung sein, ein menschenwürdiges Arbeiten muss weiterhin möglich sein", betonte er.