12.11.2010

Ein Herz für Brustkrebspatientinnen

Ein Herz für Brustkrebspatientinnen

Das Team der gynäkologischen Station sorgt sich mit der Aktion Herzkissen um das Wohlbefinden der an Brustkrebs erkrankten Frauen.

Beim Gang über die Flure der Klinik für Gynäkologie und Geburtenhilfe am Caritas-Krankenhaus sieht man sie überall - Frauen mit seltsam geformten Kissen unter dem Arm. Was dem außen stehenden Betrachter zunächst nicht auffällt: Es sind ganz besondere Kissen: Kissen, die körperliche und seelische Schmerzen lindern.

"Eine Brustkrebspatientin hat so ein Kissen auf Station mitgebracht und wir haben gesehen, wie gut ihr das Kissen tut", erklärt Stefanie Mauritz, Krankenschwester auf der Station B 2. "Diese positive Erfahrung wollten wir auch an unsere anderen Patientinnen weitergeben." Das erste Kissen erhielt Marion Desor-Lillig, Brustkrebspatientin aus Neunkirchen, und die war begeistert: "Es ist eine richtige Erleichterung im Alltag und auch in der Nachbehandlung ist das Kissen mein ständiger Begleiter."

Schutz vor Stößen und Linderung bei Lymphschwellungen
Die Idee für das Kissen in Herzform stammt ursprünglich aus Tennessee, USA. Unter dem Arm getragen, bietet es nach einer Brustoperation Schutz bei plötzlichen Bewegungen und Stößen. Außerdem schafft es Linderung bei Lymphschwellungen oder Druck unter dem Arm und kann beispielsweise beim Autofahren unter den Sicherheitsgurt geklemmt werden. Doch nicht nur das: Man kann damit auch kuscheln, es festhalten und es begleitet die Patientinnen überall hin. So wird das Kissen zur doppelten Druckentlastung - körperlich und seelisch.

Positive Erfahrungen weitergeben
Aus der eigenen positiven Erfahrung heraus, entschloss sich Marion Desor-Lillig, selbst Kissen zu nähen und so etwas für andere Frauen in vergleichbarer Situation zu tun. Doch die eigene gesundheitliche Situation lies das zunächst nicht zu. "Aber dann hat meine Tochter ganz spontan losgelegt", erzählt Frau Desor-Lillig. Nina, zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt und ihr jüngerer Bruder Simon nahmen sich der Sache an. Stoffe wurden zugeschnitten und zusammengenäht, das Innenleben wurde mit recyclebarer Baumwolle gefüllt und die fertigen Kissen mit "Beipackzetteln" versehen. "Für uns war klar, dass wir unserer Mutter helfen", ist sich das Geschwisterpaar einig.
Ein Geschenk für jede Patientin
So war das Projekt "Herzkissen" im Caritas geboren. Seit Juli bekommt jede Brustkrebspatientin des Caritas-Krankenhauses ein solches Kissen. Fast 50 Kissen sind seither entstanden. Das ganze Stationteam unterstützt die Näharbeiten. Die Form der Kissen wurde nach und nach verfeinert. Durch eine Verlängerung der Ohren und das Weglassen der Spitze verschwindet die Herzform zwar etwas - dafür bietet das Kissen so einen besseren Sitz und hält fast von alleine. "Der Arm liegt so einfach gut drin", erklärt Marion Desor-Lillig. Die Besonderheit im Caritas: Die Frauen müssen die Kissen nicht kaufen. Jede Patientin bekommt eines geschenkt. Dr. Thomas Prätz, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und Leiter des Brustzentrums am Caritas-Krankenhaus, würdigt die Aktion als "tolles Projekt, auf das wir sehr stolz sind". Deshalb war er auch bereit, die Materialkosten aus dem Sondermittelkonto der Klinik, das durch Spenden gespeist wird, zu bezahlen.

Umfassende Betreuung im Brustzentrum
Das interdisziplinäre Brustzentrum Tauber-Franken besteht am Caritas-Krankenhaus seit Anfang April 2009. Seither wurden mehr als 240 Frauen, bei denen der Tumor erstmals entdeckt wurde, hier behandelt. "Jede Frau mit dem Verdacht auf Brustkrebs erhält innerhalb weniger Tage einen Termin in unserer Ambulanz", erläutert Dr. Prätz. "Hier stehen alle Möglichkeiten zur Verfügung, um die Diagnose zu sichern und das Stadium des Tumors zu bestimmen. In einer wöchentlichen Tumorkonferenz besprechen Ärzte verschiedener Fachrichtungen gemeinsam jede einzelne Patientin und legen gemeinsam eine individuell angepasste Therapie fest." Ob Operation oder Chemotherapie - jede Patientin werde von Beginn an von einem therapeutischen Team aus speziell ausgebildeten Krankenschwestern, Physiotherapeuten, einer Psychoonkologin, Seelsorgern und dem Sozialdienst betreut.

Menschliche Fürsorge und medizinische Versorgung
Marion Desor-Lillig jedenfalls ist begeistert vom Engagement des Stationsteams im Caritas-Krankenhaus. "Das Kissen steht auch symbolisch für die Fürsorge, die man auf dieser Station erfährt. Und Fürsorge ist genauso wichtig wie die gute medizinische Versorgung", kann sie aus eigener Erfahrung berichten. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sich noch weitere ehrenamtliche Näherinnen finden, sodass die Klinik immer genügend Kissen zur Verfügung hat. "Wer selbst nicht nähen kann, kann auch die Kissen mit Watte befüttern. Wir würden uns sehr freuen, wenn jemand Interesse hat und sich bei uns meldet", so Frau Desor-Lillig. Unter der Telefonnummer 07931/2791 kann man sich bei ihr jederzeit über das Kissen und seine Herstellung informieren.
Die Aktion "Herzkissen" jedenfalls ist schon jetzt ein großer Erfolg und zieht weitere Kreise: Über eine gemeinsame Patientin interessiert sich jetzt auch eine Klinik in Erfurt für das Bad Mergentheimer Herzkissen.
Freuen sich über die Aktion Herzkissen: Krankenpflegerin Andrea Friedrich, Marion Desor-Lillig, Dr. Thomas Prätz, Nina und Simon Lillig.
Freuen sich über die Aktion Herzkissen: Krankenpflegerin Andrea Friedrich, Marion Desor-Lillig, Dr. Thomas Prätz, Nina und Simon Lillig.
Weitere Informationen zum Thema Brustkrebs und zum Brustzentrum Tauber-Franken unter: Brustzentrum Tauber-Franken

Infoabend Brustkrebs:
jeden ersten Mittwoch im Monat, 18:00 Uhr
Kontakt:
Brustzentrum Tauber-Franken am Caritas-Krankenhaus,
Leiter: Chefarzt Dr. Thomas Prätz
Tel. 07931 58-2501