„Die Untersuchung durch Ultraschall kann uns heute rasch und schonend eine eindeutige Diagnostik bei unklaren Bauschschmerzen und Darmbeschwerden liefern“, betont Prof. Dr. Dietrich. Der Chefarzt der Medizinischen Klinik 2 am Caritas-Krankenhaus ist zugleich Mitglied im Vorstand der europäischen Ultraschallgesellschaft EFSUMB (European Federation of Societies for Ultrasound in Medicine and Biology). Bei einem DEGUM-Pressegespräch in Berlin machte er jetzt gemeinsam mit Kollegen auf die Bedeutung der Sonographie für die Therapie von unterschiedlichen Darmerkrankungen wie Blinddarmentzündung, Divertikulitis, Morbus Crohn und Darmkrebs aufmerksam.
Darstellung einzelner Darmesegmente bei Morbus Crohn
Vor allem beim Morbus Crohn hat die Ultraschalluntersuchung heute einen hohen Stellenwert. „Bei dieser chronischen Erkrankung mit heftigen Durchfällen und krampfartigen Bauschmerzen ist der Darm abschnittsweise erkrankt. Im Ultraschall werden die befallenen Darmsegmente gut sichtbar”, erläutert Prof. Dietrich. Aber auch Veränderungen in der Umgebung des Darms würden erkannt. Dazu gehören beim Morbus Crohn Fistelgänge, Abszesse und Vergrößerungen der Lymphknoten. „Jeder Krankheitsschub bringt neue Schädigungen mit sich, und ein Vorteil der Sonografie besteht darin, dass wir die Untersuchung jederzeit wiederholen können, da sie den Patienten nicht unnötig belastet”, sagt der Experte: „Die Sonografie erreicht heute die Treffsicherheit sehr viel aufwändigerer Verfahren wie der Kernspintomografie.”
Rasche Diagnose bei Divertikulitis
Auch bei Blinddarmentzündungen und Divertikulitis –entzündete Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut – kann ein Blick in den Darm mittels Ultraschall rasch eine eindeutige Diagnose liefern. „Vielen Patienten bleibt dadurch eine unangenehme Darmspiegelung oder eine Strahlenbelastung durch Röntgen oder Computertomografie erspart“, ergänzt DEGUM-Präsident Professor Dr. med. Dieter Nürnberg von den Kliniken Neuruppin. Auf dem Monitor seines Ultraschallgeräts sieht der Arzt zum Beispiel krankhafte Ausstülpungen im Dickdarm, „Divertikel“ genannt. Ihre Entzündung, die „Divertikulitis“, ist ein häufiger Grund für intensive Bauchschmerzen. Divertikel bilden sich meist bei älteren Menschen über 60 Jahren, die sich ballaststoffarm ernähren. Die Ausstülpungen sind häufig mit Kot und Bakterien gefüllt. Entzündete Divertikel können den Darm einengen und einen Darmverschluss auslösen. Eine frühe Diagnose ist daher entscheidend für die Therapie. Sie besteht in leichteren Fällen in der Gabe von Antibiotika, in schweren Fällen wird eine Operation notwendig.
Hohe diagnostische Sicherheit bei Blinddarmentzündung
Auch bei plötzlichen heftigen Schmerzen im rechten Unterbauch kann eine Ultraschalluntersuchung wegweisend für die Diagnose sein. „Eine akute Blinddarmentzündung wird dadurch mit 90-prozentiger Sicherheit erkannt”, so Dr. med. Hans Worlicek, Sonografie-Experte vom Facharztzentrum Gastroenterologie in Regensburg. „Komplikationen wie Abszesse, Fisteln und Engstellen des Darmes können mit einer Häufigkeit von 70 bis 90 Prozent nachgewiesen werden.”
Endosonografie bei Darmkrebs
Vorteile bietet die Sonografie auch bei Darmkrebs, der häufigsten Krebserkrankung in Deutschland. Mittels der Endosonografie, einer Kombination aus Ultraschall und Spiegelung, lassen sich etwa beim Rektumkarzinom, einem bösartigen Tumor des Enddarms, frühe Tumorformen von späten unterscheiden. Vorteil für den Patienten: Der Arzt kann so entscheiden, ob er den Tumor lokal herauslösen und dadurch unter Umständen eine Operation mit Legung eines künstlichen Darmausgangs vermeiden kann.
Zertifizierte Fortbildung
Die Ergebnisqualität der Endosonografie-Diagnostik hängt von der Erfahrung des Untersuchers ab. Wie alle Ultraschalluntersuchungen muss auch die Endosonografie trainiert werden. Die DEGUM bietet deshalb eine zertifizierte Fortbildung in mehreren Stufen an, in der die Ärzte sich langsam verbessern können. Ein Mehr-Stufen-Konzept stellt sicher, dass die Untersuchung von gut ausgebildeten Ärzten durchgeführt wird. Weitere Informationen auf der Homepage der DEGUM.