Ein breites Spektrum an Informationen rund um das Thema Multiple Sklerose (MS) bot sich den Besuchern beim 1. MS-Tag am 28. November im Caritas-Krankenhaus. Rund 300 Interessierte füllten die große Halle, um Neues über Therapien, aktuelle Forschungsergebnisse sowie praktische Hilfen und Unterstützung im Alltag zu erfahren. „Wir am Caritas-Krankenhaus möchten Ihnen bei der Vielzahl an Informationen Basis und Richtung geben und die Fortschritte der modernen MS-Therapie direkt an unsere Patienten weitergeben“, betonte Privatdozent Dr. Mathias Mäurer. Der Chefarzt der Klinik für Neurologie und Mitglied im ärztlichen Beirat der Deutschen MS-Gesellschaft hat in den vergangenen Monaten den Schwerpunkt MS am Caritas-Krankenhaus ausgebaut. „Hier erhalten Sie auf Ihre Fragen kompetent Antwort“, betonte er.
Frühzeitig mit der Therapie beginnen
Drei zentrale Botschaften gab er den Betroffenen mit auf den Weg: „Man kann immer etwas tun, in jeder Phase, gibt es Möglichkeiten das Krankheitsbild zu verbessern.“ Wichtig sei es außerdem, frühzeitig mit der Therapie zu beginnen. Und: „MS schläft nicht." Die Krankheit sei immer da, auch außerhalb aktiver Schübe. Mäurer plädierte für ein multimodales Konzept, um der chronischen Nervenkrankheit zu begegnen. Aufklärung der Betroffenen, symptomatische Behandlung, Physiotherapie, Sport und Ergotherapie ebenso wie die frühzeitige Komplikationsbehandlung und die konsequente Schubbehandlung müssten eng aufeinander abgestimmt und auf den einzelnen Patienten zugeschnitten werden.
Wirksame Medikamente verfügbar
Mit der immunmodulatorischen Therapie stehen nach Ansicht Mäurers wirksame Medikamente zur Verfügung, um die Entzündung zu hemmen und die Degeneration der Nervenfasern zu verlangsamen. Zurzeit befänden sich außerdem vielversprechende Antikörper und Tablettenpräparate in der Phase der klinischen Erprobung, zum Teil auch im Caritas-Krankenhaus. Der Neurologe dämpfte allerdings überhöhte Erwartungen: „Wir können nichts zurückdrehen, Reparatur oder Heilung sind Fiktion. Aber wir können die Krankheitsaktivität für die Zukunft heruntersetzen.“ Die Patienten wolle er dazu als Partner und MS-Experten gewinnen.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig
Dr. Jochen Ulzheimer informierte im Anschluss über die Möglichkeiten, die Folgeerkrankungen von MS zu bekämpfen. Gut zu behandeln sind demnach neuropathische Schmerzen, Fatigue, Spastik und Blasenstörungen. Dabei sei die interdisziplinäre Zusammenarbeit, wie sie etwa im Caritas-Krankenhaus gegeben sei, wichtig, um eine zielorientierte und differenzierte Therapie anbieten zu können. Immer noch schwierig zu behandeln sind nach seinen Aussagen allerdings Tremor, die gestörte Koordination von Bewegungsabläufen sowie kognitive Störungen oder eingeschränkte Gehfähigkeit.
Individuelle Beratung für Betroffene
Hilfe bei Blasenstörungen war auch eines der Themen bei der anschließenden Expertenrunde. Hier stellten sich neben Dr. Mäurer und Dr. Ulzheimer auch der niedergelassenen Neurologe Dr. Tilmann Rossmanith den zahlreichen Fragen der Besucher. Individuelle Beratung erhielten die Besucher auch an den verschiedenen Industrieständen sowie durch Orthopädietechniker Marc Seitz, der die vielfältigen technischen Hilfsmöglichkeiten vorstellte, um die Krankheitsprobleme im Alltag besser bewältigen zu können. Die Ergotherapeutin Annette Naegele bot nach einer kurzen theoretischen Einführung Tests und Übungen zur Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit an. Die Physiotherapeutin Sonja Mertens trainierte mit Betroffenen abwechselungsreiche Bewegungsübungen, um die körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten bzw. zu verbessern.
Sport steigert Lebensqualität der MS-Patienten
Ein weiterer Schwerpunkt widmete sich dem Thema MS und Sport. „Sport ist nicht schädlich für MS-Patienten, in keiner Studie wurde der Krankheitsverlauf durch Training negativ beeinflusst“, räumte der Sportwissenschaftler Alexander Tallner von der Universität Erlangen mit überholten Annahmen auf. Durch jüngste Studien, die die Universität Erlangen gemeinsam mit Dr. Mäurer durchgeführt habe, lasse sich vielmehr eine Steigerung der Lebensqualität für MS-Patienten durch Sport belegen. Sport verbessere nachweislich die Kraft und Ausdauer der Betroffenen, wirke positiv gegen Depression und Fatigue und helfe bei vegetativen Störungen und eingeschränkter Mobilität. Wichtig sei allerdings die individuelle Auswahl von Dauer und Intensität des Trainings. Tallner warnte vor einer Überlastung: „Hören Sie auf sich selbst, spätestens eine Stunde nach dem Sport sollten Sie wieder fit sein.“
Neue Studie zu MS und Sport
Um die weiteren Auswirkungen von Sport auf die Krankheitsentwicklung bei MS zu untersuchen, haben das sportwissenschaftliche Institut der Universität Erlangen und die Neurologie am Caritas-Krankenhaus eine weitere Studie aufgelegt, in die noch Patienten aufgenommen werden können (
ms-int@kt). Auch außerhalb dieser Studie bietet das Caritas-Krankenhaus in seinem Schwerpunkt Sportmedizin eine individuelle Leistungsdiagnostik und Trainingsberatung für Patienten und Interessierte an. Die vorhandenen Möglichkeiten von Spiroergometrie bis hin zur Bioimpedanzanalyse stellte der Sportmediziner, Oberarzt Dr. Volker Dotzel vor.
Wichtige Kontaktbörse war der MS-Tag für die AMSEL-Kontaktgruppe Main-Tauber-Kreis. Die Selbsthilfegruppe stellte ihre verschiedenen Treffs und Aktivitäten für Betroffene unterschiedlicher Altersgruppen vor. Weitere Interessierte sind nach Angaben der Leiterin Michaela Bisch herzlich willkommen.
AMSEL-Kontaktgruppe Main-Tauber-Kreis, Michaela Bisch
Tel. 07931 93 23 88
E-Mail: michaelabisch@gmx.de
Informationen zu MS und der neuen Studie (ms-int@kt):
Klinik für Neurologie,
Privatdozent Dr. Mathias Mäurer
Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim,
Tel. 07931 58-3401
E-Mail: neurologie@ckbm.de