Aufgrund von deutlich verbesserten Operationstechniken und Weiterentwicklungen von diagnostischen und anästhesiologischen Verfahren ist die Leberchirurgie in geübten chirurgischen Händen heute eine sichere und blutarme Operation mit meist großem Benefit für die Patienten geworden. Dies führte in den letzten Jahren zu einer deutlichen Steigerung der Leberoperationen bei bösartigen und gutartigen Erkrankungen der Leber, wobei der überwiegende Anteil der Leberoperationen wegen bösartiger Tumoren vorgenommen wird.
Gutartige Erkrankungen der Leber
Die unkomplizierte Lebercyste stellt die häufigste Raumforderung in der Leber dar und meist zufällig im Rahmen einer Routine-Ultraschalluntersuchung erkannt. Diese Cysten bedürfen bei fehlender Beschwerdesymptomatik keinerlei Therapie und sind bei etwa jedem 10. Menschen nachweisbar.
Falls die Cysten durch ihre Größe oder Lage Beschwerden verursachen (z.B. Völlegefühl, Oberbauchschmerzen oder Galleabflussstörungen) ist eine Operation gerechtfertigt. Diese wird dann mittels minimal-invasiver Schlüsselloch-Technik durchgeführt, indem man die Cyste entdeckelt (Bild).
Weitere gutartige Erkrankungen der Leber wie Blutschwämme (Hämangiome) oder fokale noduläre Hyperplasien (FNH) werden ebenfalls nur dann operiert, wenn sie o.g. Beschwerden verursachen.
Eine Sonderstellung im Bereich der gutartigen Lebertumore nehmen die Leberzelladenome ein. Diese sollten auf jeden Fall operativ entfernt werden, da hier eine Abgrenzung zu dem bösartigen Leberzellkrebs (HCC) häufig nicht eindeutig möglich ist.
Die Bandwurmerkrankungen (Echinococcus) nehmen ebenfalls eine Sonderstellung ein. Hier unterscheidet man zwischen dem Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) und dem Fuchsbandwurm (Echinococcus alveolaris oder multilocularis), die auch unterschiedlich operativ therapiert werden.
Bösartige Erkrankungen der Leber
Bei den bösartigen Tumoren der Leber wird zwischen den primär in der Leber entstandenen Karzinomen der Leberzellen (hepatozelluläres Karzinom) oder der Gallenwege (cholangiozelluläres Karzinom) und den Tochtergeschwulsten (Metastasen) anderer Tumore unterschieden.
Die Tochtergeschwulste (Metastasen) von Dick- und Mastdarmkarzinomen (colorectal) stellen die weitaus häufigste Indikation zur Leberoperation dar. Tochtergeschwulste anderer Tumore werden seltener operativ entfernt.
Gerade für Patienten mit Metastasen eines Dickdarm- oder Mastdarmkarzinoms haben sich dank der Entwicklungen in der Leberchirurgie die Behandlungsoptionen und damit auch die Überlebenschancen in den letzten Jahren deutlich verbessert. Auch mehrere Metastasen in beiden Leberlappen können operativ beseitigt werden.
Hier spielt nicht die Anzahl der Lebermetastasen sondern deren Lage und Größe und damit das Ausmaß der Operation die entscheidende Rolle. Wichtig ist, dass mindestens 30% gesundes Restlebergewebe erhalten bleiben. Die vollständige Entfernung der colorectalen Lebermetastasen führt zu 5-Jahres-Überlebensraten von über 50 %.
Diagnostik und Therapie
Vor jedem leberchirurgischen Eingriff steht eine umfangreiche Diagnostik, die auch moderne bildgebende Verfahren (Computertomographie, Kernspintomographie, Kontrastmittel-Sonographie) mit Volumenmessung, 3D-Rekonstruktion sowie eine laborchemische Leberfunktionstestung einschließt.
Der Einsatz der intraoperativen Ultraschalluntersuchung ermöglicht heute eine moderne Leberchirurgie - von der so genannten nicht-anatomischen Entfernung eines kleinen Gewebskeils über eine anatomische Resektion einzelner Lebersegmente bis hin zur erweiterten Leberresektion, d.h. Entfernung von mehr als 60 % des Lebergewebes.
Die in den letzten Jahren gemachten großen Fortschritte in der chirurgischen Technik, der Narkoseführung und der Schmerztherapie haben zu einer deutlichen Senkung des Operationsrisikos geführt. Gleichzeitig sind selbst ausgedehnte Operationen, bei denen mehr als die Hälfte des Lebergewebes entfernt wird, zur Routine geworden.
Eine Leberteilresektion dauert zwischen 2 und 5 Stunden. Durch die Nutzung modernster Techniken wie Wasserstrahl- und Ultraschallskalpell ist der Eingriff blutarm und kann meistens ohne Bluttransfusion durchgeführt werden. Die Krankenhausaufenthaltsdauer beträgt etwa 10 Tage und die vollständige Erholung etwa 4-6 Wochen.
Das zurückbleibende Lebergewebe regeneriert sich und die Leber kann innerhalb von 6 Monaten - auch nach ausgedehnten Resektionen - wieder ihre ursprüngliche Größe erreichen.
Durch diese Regenerationsfähigkeit der Leber ist es dann auch möglich, im weiteren Krankheitserlauf etwaige erneut auftretende Tumoren wieder operativ zu entfernen.
In Verbindung mit unterschiedlichen Chemotherapiekonzepten und zusätzlichen interventionellen Behandlungsformen (z.B. der Radiofrequenzablation oder Alkoholinstallation) bieten wir Ihnen eine individuelle, auf Ihre Tumorerkrankung abgestimmte Behandlung. Ihr persönliches Behandlungskonzept legen wir interdiziplinär unter Beteiligung spezialisierter Gastroenterologen, Onkologen, Radiologen, Nuklearmediziner und Pathologen fest.